Bedecke deine Muskeln, Mann,
mit Schamgefühl
und übe, dem Mädchen gleich,
das Sterne zählt,
in Sehnsucht dich und Lebenssinn;
mußt mir meine Erde
doch lassen stehn
und meine Seele, die du nicht gebaut,
und meinen Körper,
um dessen Glut
du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
unter der Sonn als euch, Männer!
Ihr nähret kümmerlich
von Opfersteuern,
Liebes- und Gebetshauch,
eure Herrlichkeit,
und darbtet, wären
nicht Frauen, Kinder und Bettler
hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
nicht wußte, wo aus noch ein,
kehrt' ich mein verirrtes Auge
zum Mann, als wenn an ihm wär'
ein Ohr, zu hören meine Klage,
in ihm ein Herz wie mein's,
sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir
wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
heilig glühend Seele?
Und glühtest jung und gut,
betrogen, Rettungsdank
dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Weib geschmiedet
die allmächtige Zeit
und das ewige Schicksal,
meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
ich sollte nach deinem festgefrorenen Bilde
benötigen den Schlafgesang der Befriedigten,
zu ihnen fliehen und ihrem Rate folgen,
weil sie das Beste für mich zu wollen glauben
und zu wissen meinen,

daß der Mensch schon sei edel, hilfreich und gut
und er sich genau darin unterscheidet
von allen Wesen, die wir kennen?
Spüren wir auf das unbekannte tiefste Wesen,
das wir ahnen! Ihm gleiche der Mensch,
sein Bild eröffne den Reigen.

Denn unfühlend ist die Natur nicht.
Aber die Sonne leuchtet über Bös' und Gute,
und dem Verbrecher glänzen wie dem Besten
der Mond und die Sterne.
Die Erde rollt ihren Teppich aus auch jenen,
die sie nicht fühlen, sie beschmutzen, sie verraten
und verkaufen an ein götzenhaftes Wesen
von menschlichem Leben.

Wind, Ströme, Donner und Hagel
werden sich wehren, Erdbeben zerstören,
Atmosphären wandeln ihre Gestalt,
lebende Seelen verweigern lebenspendende Kräfte,
den Menschen zu richten,
daß Leben von neuem beginne,
da er die Prüfung nicht bestand.

Das traute Glück tappt unter die Menge,
verspricht Gleichmut und Sorglosigkeit,
verbindet die Augen, verschließt die Ohren,
verschnürt die Herzen, ertränkt die Seelen,
beteuert Unschuld, entschuldigt Unrecht,
erfaßt die Jungen kaum mehr,
die Irrwege wählen auf der Suche
nach dem Ort der Erkenntnis.

Nach ewigen, ehrnen, großen Gesetzen
müssen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden.
Vermag der Mensch das Mögliche?
Unterscheidet, wählet, richtet er?
Kann er der Dauer ihre Beständigkeit zugestehen,
ohne dem Augenblick Dauer zu verleihen?
Kann er unterscheiden vom Guten und Bösen,
heilen und retten, alles Irrende, Schweifende nützlich verbinden?

Was verehren wir? Die Unsterblichen gleich den Toten,
als würden sie leben und das tun, was wir Verehrenden könnten,
wenn wir uns nicht gegenseitig fesselten.
Der Mensch sei nicht edel, stolz und enthoben.
Er soll sein ein Wesen inmitten von Wesen,
die Erkenntnis seiner Selbst zuerst,
dann wird er auch sein hilfreich und gut,
in ihm das geahnete Wesen!

Hier sitz ich, forme Gedanken
nach meinem Bilde,
die Zukunft eines neuen Geschlechts,
zu erkennen, zu verteidigen, zu lachen, zu weinen,
zu genießen und zu freuen sich,
dein zu erwecken und zu lieben,
wie dein es verdienen!


PROMETHEA

Geniales_Wesen