Es stimmte
alles, was ich sagte: Daß ich nur zu dem gegangen wäre,
mit dem ich diesen Weg begehen konnte, war gleichbedeutend mit
der Suche nach Dir. In Dir lag der Sinn, Du warst das Ziel.
Ich habe
mich in den wilden Fluß gestürzt, warte wirbelnd, unter-
und aufgehend, Luft anhaltend und immer wieder sie tief einatmend,
daß der Fluß einhält, mich zu tragen, daß
ich auf und unter ihm schwimmen kann, auch ans Ufer komme, um
mich auszuruhen und zu gehen auf dem Boden, der neben dem Flußbett
doch getrennt von ihm liegt, und um mich erneut hineinzustürzen.
Du liebtest
mich schon, deshalb hast Du Dich mit Händen und Füßen
gewehrt, weil Du nicht wußtest, daß ich die Kraft
habe, Dir all das zu geben und Dir alle Freiheit zu lassen, weil
Du sie brauchst und sie haben mußt, ich Dich sonst nicht
so lieben könnte.
Es wird
niemand anderen auf dieser Höhe, in keiner Ebene, die als
hoch bezeichnet werden kann, geben, denn Liebe, die ich empfinde,
kann nur einmalig sein, jedes in der Vergangenheit erlebte Gefühl,
jede Wiederholung war und wäre nur ein Versuch, eine Andeutung
derer.
Selbst
wenn es sie nicht in reiner Form gibt, kann sie nur einmalig sein
und frei, sonst ist sie nichts wert und bedeutet immer etwas anderes,
mit dem sie verwechselt wird.
Ich suchte
Dich und als ich Dich gefunden hatte, wählte ich die falschen
Worte, die nicht so falsch waren, weil sie mich hierhin brachten,
alles besser zu verstehen und endgültig klar zu sehen.
Ich werde
wohl nichts mehr tun können, ohne zu überlegen, worin
die Bedeutung innerpsychisch liegt, welcher meiner Triebe gerade
zum Zuge kommen möchte und welches Gefühl sich ihm zur
Seite zu stellen hat, damit alles einen vernünftigen Sinn
beibehält. Oft wollen zwei gleichzeitig von mir genügend
beachtet werden. Stets liegen sie miteinander im Streit, wer von
ihnen der Wichtigere ist. Und wenn sie sich dann mal wieder in
ihrem Kampf, bei mir den größeren Anteil meiner Gunst
zu erwerben, gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben, freut
sich der Dritte. Aber sie tun mir immer wieder leid und ich liebe
sie beide wie eine Mutter ihre Kinder. Wenn Du mich für diese
Kinder bestrafst, weil es nicht Deine eigenen sind, muß
ich es hinnehmen, da ich Dir einen sehr großen Teil Macht
über mich gegeben habe, als ich in den Fluß sprang.
Und ich
wollte in den Fluß springen, weil auch er Freiheit bedeutet,
aus vielen Quellen entsprungen, groß und stark geworden,
durch Gebirge sich in Wasserfälle stürzt und sich wieder
auffängt, seinem Wasser Tiefe, Ruhe und Wildheit und jedes
Dazwischen zu verleihen vermag und irgendwann in dem Meer mündet,
dort zu zerfließen, und doch unaufhörlich mit seiner
Kraft das Flußbett formt, rücksichtslos mitreißt
oder treiben läßt.
Der Wald,
in dem ich mit diesen meinen Kindern die Freiheit fand, ist dicht
und tief, ließ niemandem Einlaß, er sich auch verirrt
und nicht die Kraft gehabt hätte, in ihm zu überleben.
Ich wartete auf den, der ohne Angst und mit Mut in ihm die Freiheit
erleben möchte, mit sicherem Schritt die Wege betritt, die
durch das Licht führen, das überall hereinfällt,
reflektiert und neue Wurzeln ausschlagen läßt, die
dem Wald seine Kraft erhalten und ihm neue hinzufügen, damit
er sie allem, was in ihm lebt, weitergibt.
Wenn Du
nicht hineinkommst, Deine Kraft in ihm, in mir zu entfalten,
so ist das der Preis, den ich zu zahlen habe für die Freiheit
meines Körpers, meines Denkens und Fühlens.
Der Wald
wird stehen entlang des Flusses zu beiden Seiten. Der Fluß
fließt, ihn belebend, durch den Wald.
Und meine
Triebe sind nicht meine Triebe, sie sind die Pfeile des Lebens,
und ich bin die, die sie abschießt.