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IX. Juli 1997
Es ist insgesamt wenig erfreulich, sich durch den
Wust männlich-psychologischer Gedankengänge durchzumühen,
die in Freudscher
Denkweise zur Seelenerhellung bei Patienten Brüste, Penisse,
Klitoris miteinander identifizieren, Beschreibungen liefern von
z. B. Über-Ichs verschlingenden Ichs, gastro-intestinalen
Mechanismen, die Masturbation symbolisieren, von der Periode des
"halluzinatorischen Allmachtsgefühls" des Säuglings
"mit Hilfe magischer Gebärden" (So einen Quatsch
kann sich wohl nur ein Mann ausdenken), von "Einverleibungsversuchen",
welche der Säugling beim Säugen in Beziehung zur Mutter
unternehme, von "kannibalistisch-introjektiven Ansprüchen"
oder gar vom "vorgeburtlichen Dasein als Zustand absoluter
Reizlosigkeit" und vom "Zwang des Säuglings, am
Intestinalinhalt, dem Mutterbedeutung zukommt, festzuhalten"
und sich darin "einzuhüllen", weil die "Trennung"
von ihm mit "Angst und Wiederholung des Geburtstraumas"
einhergehe und der Intestinalinhalt als "intraphysische und
intrapsychische (Milch-Blut) Lebens- und Liebesquelle empfunden
wird". Hierzu fällt mir nur ein: Wer keine Zwänge
hat, der schafft sich welche. Hier haben Fleischerseelen Psychologie
gedacht, unabhängig von einer vermeintlichen Primitivität
ihrer Klienten. Aber im Grunde ist das Gewöhnen an solche
Deutungen gefährlich. Die Deutungen selber sind irrational
und körperverherrlichend.
(Zitate aus Ernst Simmel ^Psychoanalyse
und ihre Anwendungen^)
Das ist eindeutig männlich objektglorifizierendes
Denken, das dem Körperlichen bis hinein in die körperlichen
Endprodukte eines Lebensprozesses, welcher unter Nutzung energieenthaltender
Anfangsprodukte (Nahrung) zum Rollen gebracht wurde, verzerrende
Bedeutung zumißt und mit dem Leben ansich oder gar mit Sexualität
im engen Sinne verwechselt wird. Es ist zugleich eine weitere
tiefe Mißachtung der Frau, Intestinalinhalte mit Mutter
gleichzusetzen, gleich wenn es nur um psychologische Einfühlungsakte
in ein Säuglingsleben geht. Es ist auch eine Mißachtung
der psychischen Eigenständigkeit des Säuglings, der
trotz aller körperlichen Verbundenheit schon im Mutterleib
ein eigenes Leben führt und sich in vermeintlich oder tatsächlich
lebensgefährdenden Situationen in gesteigerter körperlicher
Erregung gerade vom Intestinalinhalt spontan trennt und diesem,
negativ fühlend, unterworfen ist. Die Reize für den
Feten sind erheblich im Verhältnis zu seiner psychischen
Verarbeitungsmöglichkeit und dienen bereits einer Bewußtwerdung
von Existenz. Ohne dieses Existenzbewußtsein könnte
er nach der Geburt nicht auf äußere und innere Reize
reagieren. Auch die ständige Betonung der psychologischen
Einheit von Mutter und Kind in den ersten Jahren kindlichen Daseins
ist einseitig und falsch. Der Säugling, der, weil eventuell
hungrig, schreiend im Bett liegt, fühlt in dem Moment ganz
sicher keine psychologische Einheit, sondern sein eigenes Schreien
und damit verbundene Ängste und "Vorgedanken".
Und diese sind ebenso wichtig und lebensvorbereitend, wie die
anschließende beruhigende Bezogenheit auf die pflegende
und nährende Person. Die Mutterbetonung ist eine psychologische
Projektion auf den Säugling, da man keine relevanten Einfühlungsmöglichkeiten
besitzt, die einem Verstehen des Säuglingsdaseins zugrunde
gelegt werden könnten. Eher ist es die Mutter, die den Säugling
als ein Stück von sich verherrlicht, ohne eigentlich das
Recht dazu zu haben, denn mit der Befreiung aus dem Mutterleib
hat das Kind ein Recht darauf, als zukünftiger erwachsener
Mensch behandelt zu werden, ganz besonders wegen der Denkqualität
menschlichen Bewußtseins. Das Leben im Mutterleib ist von
Hochs und Tiefs begleitet, insbesondere in Abhängigkeit von
der Verfassung der Schwangeren.
Bewußtsein ist ein fließender, teils
sprunghafter Prozeß mit individuellem Anfang und Ende, immer
zeitlich und hierarchisch, beginnend beim Fühlen einer äußeren
Umwelt über das Fühlen einer Existenz bis zur zielgerichteten
Einwirkung auf die Umwelt, qualitativ abhängig vom Sinnes-
und Nervenapparat, nämlich inwieweit dieser durch komplexe
Kopplungen wechselseitige, gegengerichtete und höherleitende
Mehrfachabstraktionen ermöglicht. Das Auge z. B. im Verbund
mit dem Gehirn vollführt als komplexes Organ über die
Abstraktion seiner selbst zur Umwelt die Abstraktion der auf es
treffenden Lichtwellen und ist in der Lage, diese wieder durch
innere verarbeitende Abstraktionsprozesse (Abstraktion der Abstraktion)
weiterzugeben an den Sehnerv. Das Auge bewertet bereits Inhalte.
Es kann sich anpassen an Helligkeit und Dunkelheit, ist noch bewußt,
wenn der Patient in Ohnmacht gefallen ist, es reagiert. Der Einzeller
muß nur sich selbst erhalten. Im komplexen Organismus wurde
der einzelnen Zelle bereits eine "Verantwortung" für
andere Zellen übertragen. Sie hat hier echte Pflichten zu
erfüllen und kann sich nicht so einfach ausklinken und nur
um sich selbst kümmern, da sie im Verbund arbeitet. Trotzdem
benötigt sie ihre Freiheit und Eigenständigkeit. Die
gegenseitigen Einwirkungen der Zellen mit ihren Energien und Produkten
untereinander erfolgen streng angepaßt an jeweilige Funktionalität
und nur, insoweit die Einwirkungen zugleich individuellen Nutzen
auch für die Reiz aufnehmende Zelle bringen. Alles andere,
nicht Regelrechte erzeugt Krankheit, auch im Sinne nicht verbrauchter
bereitgestellter Energien.
Ich frage mich, wieso Frauen im Alter von 30 bis
40 Jahren einen besonders hohen Östrogenausstoß haben,
der biologisch wie psychologisch eine besondere Bedeutung haben
wird. Die Kinderheranziehung sollte normalerweise bis 35 im gröbsten
erledigt sein. Die Hormone der Follikel gelangen außerhalb
von Schwangerschaften periodisch ungestört in den eigenen
Körper. Die Hormone werden nicht mehr für Schwangerschaften
verbraucht, in welchen das weibliche Gehirn laut neuester Untersuchungsergebnisse
leicht "schrumpft", wahrscheinlich weil in der Zeit
keine Follikel heranreifen und die Plazenta die Hormonproduktion
für die Schwangerschaft übernimmt. Ketzerisch, aber
wohl wahr: Frauen, die viele Kinder im Leben bekommen, haben weniger
gute zerebrale Bedingungen für intellektuelle Leistungen.
Gleichzeitig dürfte die Zeit zwischen 30 und 40 der schleichende
Beginn der Manifestation von Brustkrebserkrankungen sein. Ich
denke, daß in diesem Alter der eigentliche "Start"
ins Leben beginnen sollte und zwar in der Art, auch wirklich produktiv
wirksam werden zu können. Nun schauen wir uns aber mal die
gesellschaftlichen Möglichkeiten für Frauen an, bzw.
wir brauchen gar nicht viel schauen, da es nicht viel zu sehen
gibt. Kinderaufzucht ist im Ganzen regenerativ produktiv und nicht
individuell produktiv. Individuelle Produktivität kann sich
für Frauen nicht in der Kindererziehung erschöpfen.
Dies würde bedeuten, weibliche Fähigkeiten, die ja gerade
im Zusammenhang mit der Fähigkeit, Leben zu erzeugen, zur
Anpassung von Leben vorhanden sind, brachliegen zu lassen. Die
Brustkrebserkrankung ist letztlich die Antwort auf nicht gelebtes
Leben, nicht regelrecht wirksam gewordene Energie wie jede dieser
Art schweren Erkrankungen in jedem Geschlecht. Sie ist die Antwort
auf unterdrücktes Bewußtsein, auf einmal getätigte
brachliegende Abstraktionen, die sich nun ihre Wirkungen auf negative
Weise erzwungen haben. In gleicher Weise einzuordnen sind die
vielen Migränen, Muskelverspannungen und Müdigkeiten.
Es wäre zu einfach, Dauererscheinungen dieser Art mit dem
Dauerstreß einer Leistungswelt zu entschuldigen, die man
einstellungsseitig selbst mitträgt. Stimmt etwas nicht im
Leben, so wird es vom Bewußtsein über die Körpersensorik
als Transmitter unweigerlich angezeigt. Der Körper ist dem
Bewußtsein ausgeliefert und das Bewußtsein hat immer
die Wahl zwischen Aufbau und Zerstörung, doch die Zerstörung
bedeutet zugleich die Zerstörung seiner selbst. Die freie
Wahl hat es nur, wenn es wissend und entscheidungsfähig ist.
Somit besteht seine Auslieferung in der Auslieferung an sich selbst.
Entweder es hat sich befähigt, sich selbst zu kontrollieren
oder es läßt sich gehen und von auswärts bestimmen,
wodurch sehr schnell andere Mächte die zerstörende Oberhand
gewinnen und Energien an sich reißen. Kontrolle seinerselbst
ist das Über-Ich, das über den Körper aus sich
selber schöpft und diesen in die sich selbst fördernde
Richtung zwingt, solange es frei über sich verfügt,
d. h. auch über einen gesunden Körper verfügt.
Die oben zitierte psychologische Phantasie erklärt
sich mir aus der Überbewertung der eigenen Körperlichkeit
und mit ihr realisierbarer Attraktionen, die neben kindlichem
Ausleben von (zumeist folgerichtigem) Trotz Basis und Auslöser
sind für eine introvertierte, selbstbezogene Einstellung,
die sich eben dem äußeren Objekt überordnet, es
beschmutzt, entwertet und in ein Abhängigkeitsverhältnis
zu sich bringt. Diese Einstellung beschreibt Tod und nicht Leben.
Die Angst vor dem Leben läßt in Körperlichkeit
flüchten. Man will nichts mehr sehen, nur noch Ruhe, Reizlosigkeit,
Tod unter Zuhilfenahme von "einverleibenden", "kannibalistischen"
und "allmächtigen" Aggressionen - ein Haß
auf das Denken-Müssen, Objekttrieb, Todestrieb.
Leben bedeutet, heraus aus dem Körper, soweit
es geht, ohne sich dabei selbst aufzugeben. Es bedeutet beim Baby
produktive Angst, Schreien, Hunger, Schmecken, Riechen, Tasten,
Schmerz, Wärme, Kälte, Hören, Sehen, Umweltbereitschaft,
Begreifen, Reagieren, Schlußfolgern und auch schon Entscheiden
(z. B. zu erneutem Schreien), alles auf oberster Ebene nach gängigem
Verständnis unbewußt, aber doch nur insoweit, als es
eine Lernfähigkeit nicht behindert. Das obere Bewußtsein
ist schwebend und verschwommen, doch beständig aufnehmend
und sich erweiternd. Das Objekt (Mutter, Spielzeug, eigener Körper,
die ganze Außenwelt) ist dabei kompensierende, beruhigende
oder aufreizende Bezugsbasis und nicht Eigenexistenz oder Selbstobjekt.
Das Saugen/Schlucken der Milch erlebt der Säugling nicht
kannibalistisch einverleibend, sondern schuldlos als Mundreiz/Zufluß
von außen und körperliche Reaktion darauf. Weder zurückgehaltene
oder einhüllende Intestinalinhalte noch Milch befreien ins
Leben oder sind Lebensquelle. Die Milch muß erst in eine
existenzielle Lebensquelle umgewandelt werden über die Verdauung.
Intestinalinhalte, an die man festhält, halten Leben zurück,
verweigern Leben, machen unglücklich und abhängig. Niemals
haben sich meine Kinder darin mutwillig eingehüllt oder jene
verweigert. Im Gegenteil sie fühlten sich darin unwohl und
waren froh, diese sich selbst befreiend loszuwerden. Ob diese
Befreiung oder selbst ein etwaiges Einhüllen als sexuelle
Befriedigung angesehen werden sollten oder nicht, ist eigentlich
unbedeutend, soweit aus all diesen Vorgängen keine Perversitäten
bzw. Abhängigkeiten folgen. Ein Einhüllen in erwähnte
Inhalte, überhaupt die zu intensive Beschäftigung
mit dem eigenen Körper in der Frühkindzeit könnte
ein Zeichen sein für ein Problembewußtsein im Sinne
einer Wiederholung phylogenetisch-anthropologischer Stadien. Das
aktiv werdende Bewußtsein hat einfach Probleme bei der Bewältigung
der Umwelt und verirrt sich in Ersatzhandlungen, die weder tierisch
noch menschlich sind, sondern ganz einfach sinnlos, allenfalls
vorbereitend. Das denkend werdende Bewußtsein ist sich in
gewisser Weise selbst ausgeliefert und braucht Zeit, sich an sich
selbst anzupassen und seinen immanenten Konkretismus zu erfassen.
Jedes Kleinkind ist ein Urmensch, der in ein konzentriertes Erwachen
gestoßen wird, das ihm bedeutet, sich an die Welt/den eigenen
Körper ausgeliefert sehen zu müssen. Wesentlich zwiespältiger
und unfreier als ein Tier klammert es sich deshalb an Bezugspersonen.
Selbstverständlich automatisieren und potenzieren sich sinnentbehrende
Vorgehensweisen, wenn äußere, insbesondere elterliche
Einflüsse/Druckmittel eine adäquate bewußtseinsgerechte
Verarbeitung von Objekteinflüssen, auch den eigenen Körper
betreffend, behindern. Das Denken kann sich nur freiheitlich entfalten,
wenn es nicht in Erziehungsschemata gepreßt wird. Bereits
aus den ersten Stunden eines Säuglingslebens leitet sich
ab, ob das Bewußtsein sich seiner selbst bewußt werden
darf oder ob es in einer Art Schwangerschaft weiter getragen,
gebettet und vom Fremden in Besitz genommen wird.
Zitierte Darstellung der Qualität von Objektbeziehung
eines Individuums entstammt nicht einer natürlichen phylogenetischen
Entwicklung des Selbstverständnisses. Dieses kam mit dem
allgemein kranken Denken auf. Freud,
seine Anhänger und Nachdenker wühlten
im eigenen Dunklen herum, waren kranke selbstbezogene Körpermenschen,
die Vatergeist und Patriarchat über alles hoben, die andere
Hälfte der Menschheit weder verstanden noch verstehen wollten
und dadurch sich im Kreise ihrer Widersprüche drehten. Allein
schon der Widersinn Freuds,
Eros als Lebenstrieb/Sexualtrieb/Arterhaltung
und Selbsterhaltungstrieb/Ichtrieb/Todestrieb entgegengesetzt
einander gegenüberzustellen, zeugt von der tiefen Spaltung
seines männlichen Selbstverständnisses und der Unmöglichkeit,
eine wirklich lebensbejahende positiv-extravertierte Einstellung
zum Leben zu finden. Weibliche Sexualität zumindest ist mit
obigem Vokabular gesprochen gleichzeitig Ichtrieb, Selbsterhaltung
in Form der Nachkommenschaft und darüber Arterhaltung, und
andererseits verläuft für nicht wenige Frauen und Kinder
männlicher Eros tödlich. Selbsterhaltung in Freuds
Sinn verläuft dann immer im Widerspruch
und Konflikt zur Außenwelt, in der die Beziehung des Mannes
zur Frau keine geringe Rolle spielt; nach Adler
gegen die eigene in hohem Maße als weiblich/unten
empfundene organische Minderwertigkeit; nach Jung
im Gegensatz zur unbewußten Psyche,
die auch die weibliche Kehrseite des Mannes in der Anima beinhaltet,
ergo gegen das personifizierte weibliche Geschlecht.
Freud ^Elemente der Psychoanalyse^ S 181/182:
"Das Ich haßt, verabscheut, verfolgt mit Zerstörungsabsichten
alle Objekte, die ihm zur Quelle von Unlustempfindungen werden,
gleichgültig, ob sie ihm eine Versagung sexueller Befriedigung
oder der Befriedigung von Erhaltungsbedürfnissen bedeuten.
Ja, man kann behaupten, daß die richtigen Vorbilder für
die Haßrelation nicht aus dem Sexualleben, sondern aus dem
Ringen des Ichs um seine Erhaltung und Behauptung stammen."
Ein Ringen um Erhaltung und Behauptung unter beherrschendem
Haß muß schiefgehen. Dieser Haß verhindert Realitätsgespür
und erfolgreiche Planung bei den Erhaltungsmaßnahmen. Die
heranpirschende und reißende Löwin wäre sicher
erfolglos bei der Jagd, wenn sie Haßgefühle auf die
Antilope hätte. Sie wird sie eher aus ihrem Instinkt heraus
"zum Fressen lieben" oder "dankbar" sein.
Der Objektzerstörung liegt dann keine Ambivalenz zugrunde,
wenn sie der artgerechten Erhaltung dient, aber ab dem Moment,
ab dem Objektzerstörung genutzt wird, einen Haß zu
kompensieren. Warum sollte Hunger Haß oder Unlust sein,
er kann genauso gut Lust zum Leben sein. Schwer depressiv Kranke
verlieren auch dieses Gefühl. Sie haben keine Lust auf Hunger.
Hunger kann dann genauso gut Haß auf sich selbst sein, auf
die eigene Abhängigkeit (von der Nahrung). Das ist wohl der
Kern des Haßgefühls - der Haß auf sich selbst,
das Unterlegenheits- und Minderwertigkeitsgefühl.
Freuds Beschreibung
phasengerechter anal-sadistischer kindlicher Sexualorganisation
als "Streben nach dem Objekt"
mit dem "Bemächtigungsdrang,
dem die Schädigung oder Vernichtung des Objekts gleichgültig
ist" ist pervers, zumindest halbwahr
und aus der tierischen Entwicklung nicht herzuleiten. Sie ist
eine Hineindichtung von überbetontem Lusterleben und irrationaler
Destruktionskraft in einen körperlich notwendigen, teilweise
automatischen vegetativen Vorgang und auf gesunder weiblicher
Seite nicht nachzuvollziehen. Freud
hat sexuelle Lust einzig und allein an
lokale Körperzonen, die befriedigt werden wollen, festgemacht:
oral, anal, genital. Das ist einseitig. Richtig ist, daß
Lebensenergie ausgelebt werden muß. Das Leben zwingt zur
Aktion, und die Freiheit der Persönlichkeit entscheidet darüber,
wie dies geschehen kann. Die Prioritäten entwickeln sich
dabei streng in Verbindung mit den gegebenen familiären und
gesellschaftlichen Bedingungen. Sexuelle Lust ist ebenso das seelische
Erleben und der Genuß von Sein, der auf Körpersphären
überspringt und nicht auf totale Abreaktion dringt - bei
der Frau. Viele Frauen sind im Gegensatz zu Männern zu aufeinanderfolgenden
Orgasmen fähig, was darauf hinweist, daß ihnen primär
körperlich nicht an Aufhebung der Erregung gelegen ist, so
wie es das Programm der männlichen Sexualität vorsieht.
Auch ihre organische Sexualorganisation - von der Scheide entfernte
Klitoris, Scheideneingang, Scheidenwand, sexuelle Reizweiterleitung
vom Zentrum bis in die gesamte Peripherie, verstreute erogene
Zonen, hohe über den Körper verteilte Nervenanzahl -
weist mit der damit einhergehenden Schwierigkeit der Orgasmuserreichung
darauf hin, daß weiblich Sexualität nicht auf schnellstmögliche
Abreaktion programmiert ist, sondern eher auf einen ganzkörperlichen
Erregungsaufbau und Aktivitätssteigerung. Nach dem weiblichen
Orgasmus ist keine sogenannte Triebruhe zu verzeichnen, eher ein
erhöhter Erregungsstatus und Nachbeben, die erst mit allgemeiner
körperlicher Erschöpfung abklingen.
Und daß die "Liebe
mit der Herstellung der Genitalorganisation zum Gegensatz vom
Haß geworden ist",
war eine der größten Selbsttäuschungen Freuds
angesichts seiner frauenfeindlichen Grundeinstellung
und angesichts der in der Realität herrschenden partnerschaftlichen
Gleichgültigkeit und Sexualkriminalität.
Simmel ^Psychoanalyse
und ihre Anwendungen^ S.227ff: "Die Befriedigung
des Sexualtriebes hebt die Erregung seiner Organquelle auf und
erhält das Objekt, während die Befriedigung des Selbsterhaltungstriebs
die Erregung der gastrointestinalen Zone aufhebt und das Objekt
zerstört... ." = Formales Gegensatzdenken
ohne Berücksichtigung der Kriminalstatistiken oder gar einer
Lebensfreude bei den Erhaltungsmaßnahmen. Beschreibt Lebenszwang.
Simmel: "Zugleich hat er (der
Selbsterhaltungstrieb) eine besondere Bedeutung für die
Herstellung eines perfekten narzißtischen Libido-Gleichgewichts,
das mit völliger Triebruhe einhergeht."
Lebendige Tote!
Freud: "Der Haß ist als Relation zum
Objekt älter als die Liebe, er entspringt der uranfänglichen
Ablehnung der reizspendenden Außenwelt von seiten des narzistischen
Ichs. Als Äußerung der durch Objekte hervorgerufenen
Unlustreaktionen bleibt er immer in inniger Beziehung zu den Trieben
der Icherhaltung."
Das narzistische Ich ist jenes Ich, welches zerebral
und damit psychisch weniger gut ausgerüstet ist, auf die
reizspendende Außenwelt adäquat und sich selbst beruhigend
oder anregend zu reagieren. Der eine reagiert mit Neugier und
Annahme der Reize, der andere mit Ablehnung und Aggression. Im
Prinzip hatte Freud
also schon sehr recht mit seinen Analysen. Er beschrieb das Wesentliche
seines Geschlechts, eben nur unter totalem Ausschluß weiblicher
Anteile.
Es muß nicht unbedingt ein Geburtstrauma sein,
es kann auch ein mit relativen Ängsten verbundenes Geburtserlebnis
sein, das durch Erfahrungsgewinn in eine höhere Bewußtheit
entläßt, einhergehend mit körperlicher Entwicklung.
Ich denke, es gibt einen Drang des Bewußtseins, vom Niederen
zum Höheren aufzusteigen, um eben immer besser sich an objektive
Realitäten anzupassen und unabhängiger zu werden. Ein
Bewußtsein, welches sich dem Leben reizabwehrend verweigert,
ist ein in sich zurückgezogenes Bewußtsein, eine Introversion,
die schnellstmöglich abtaucht in verharrende Körpermanifestationen
und Forderung nach Änderung als traumatisch bezeichnet. Erlebt
die Mutter die Geburt traumatisch, dann sicher auch das Baby.
Andererseits kann das Übertragen des Feten aus irgend welchen
Gründen Streß für ihn bedeuten. Das Leben will
sich anpassen und vorwärts nach dem Prinzip zwei Schritte
vor und einen zurück zum Ausruhen. Es will primär weder
hassen noch lieben. Es will sein, da es nun einmal ist. Das Bewußtsein
ist nur Lebenstrieb, der im Todeswunsch seinen Ausdruck finden
kann, wenn er nicht mehr in der Lage ist, Konflikte zu meistern
und Widersprüche zu lösen. Der Todeswunsch ist der Wunsch
nach Erlösung des Lebens in eine höhere Erträglichkeit,
wenn ihm Grundlagen zur Existenz fehlen, und diesem Sinne Lebenstrieb.
Oder anders herum: der Todestrieb ist Ruhetrieb und eine Form
des Lebenstriebes und erst der eingetretene Tod, die absolute
Ruhe, ist sein vollständiger Gegensatz. Der gesunde Körper
läßt sich auf Leben ein, er verweigert nicht seine
Masse der Energieumwandlung, obgleich er als Masse der Gegensatz
zum Bewußtsein ist und unbelebte Materie verkörpert,
aber solange er eingeschlossene, gespeicherte und spezifisch umwandelbare
Energie enthält, lebt er und ist eine Form des Lebens und
von Lebensenergie gesteuert. Erregungstrieb und Ruhetrieb, beide
relativiert und begrenzt durch körperliche Gegebenheiten,
wären die Gegensätze innerhalb des Lebenstriebes, die
in gesteigerter, verabsolutierter Form beide in eine Unkörperlichkeit
führen: Ekstase, höchstes Lebensgefühl, Rausch
und Nichtfühlen, Ruhe, Wohlbehagen im Sinnieren. Der Tod
ansich ist gegensatzfrei, das ist sein Gegensatz zum Leben, er
ist natürlich auch triebfrei. Die unbelebten Körper
erlangen erst durch ihre energetischen Beziehungen zueinander
Gegensatzqualitäten. Gegensätze der Farben, der Temperaturen,
der Bewegungszustände, der Aggregatzustände, der molekularen
Dichten und atomaren Strukturen sind Energiewiderspiegelungen.
Der Mann zieht in Richtung Ruhe/Tod, die Frau in
Richtung Rausch/Leben, weshalb die Frau das weiter erniedrigte
Opfer christlichen und anderen Gottesglaubens werden konnte, denn
ihr Gott ist im Grunde ein Abbild des <vollkommenen> Mannes,
der ihrer Selbstverwirklichung nicht mehr im Wege steht. Die gotteshörige
keusche Frau bestraft sich täglich selbst für ihre Erniedrigung
und spiegelt alles Böse dieser Welt in ihren Gebeten und
in ihren demonstrativen Vorbildwirkungen wider, die zwar teilweise
den ausgleichenden, hilfreichen Gegensatz zur mörderischen
menschlichen Welt bilden, doch niemals die mörderische Welt
an den Wurzeln packen, ausreißen und in besseren Boden verpflanzen.
Im Gegenteil, manche dieser Frauen warten hingebungsvoll auf das
Jüngste Gericht, statt es selbst zu veranstalten. Der Gott
des Mannes ist eher der, der ihm endlich den rechten Weg weist
und sein Leben in geordnete übersichtliche Verhältnisse
bringt, welche paradoxerweise der Frau zu ihren Ungunsten und
im Gegensatz zu ihrer psychischen Konstitution und Vielheit in
diesem Leben aufgezwungen wurden. Beide erhoffen, in einem neuen
Reich zu sich selbst zu finden und verfehlen den Ort um genau
eine Lebenszeitspanne. Das sind die unvereinbaren Gegensätze,
die sich dennoch zusammenraufen und jedem seine Existenzberechtigung
zugestehen müssen.
Zurück noch einmal zum Freudschen
Anal-Sadismus als Ausdruck verabsolutierter körperlicher
Machtausübung.
Die bewußte Untersuchung des geschlechtsspezifischen
Sanitärverhaltens könnte zur Aufhellung eines anal-sadistischen
Urproblems, das sich in den Objektbeziehungen niederschlägt,
beitragen. Ohne darauf konkret eingehen zu müssen, möchte
ich erwähnen, daß viele <Hausfrauen> ihre Verzweiflung
über die "Hinterlassenschaften" ihrer Männer/Partner
verdrängen und überkompensieren mit gegensätzlichem
nach außen demonstrativen Sauberkeitsfanatismus in der Art
eines Anal-Masochismus, andererseits peinlich genaues Hygieneverhalten
manchen Mannes ein Gegensatzverhalten zu seinem eigentlichen tiefenpsychologischen
Problem bzw. seinem sexuellen Wunschdenken sein kann. Ich hatte
einen Partner, der genau dieses Verhalten zeigte. Er unterwarf
sich überzeugt den strengen mohammedanischen Sauberkeitsritualen,
kam nach einiger Zeit dann raus mit der Sprache und wünschte
sich gezielt die oral-anale Befriedigung.
Der Anal-Sadismus ist ein dem Phallismus zugehöriges
spezifisch männliches, aus dem früheren Tiersein übernommenes
Verhalten zur Absicherung von Revier und Rangordnung. Die Rangordnung
selbst ist auch im Tierreich eine Möglichkeit, eine erhöhte
individuelle Sicherheit zu erreichen, wozu sämtliche Gegebenheiten
wie körperliche Überlegenheit oder Unterlegenheit, hormonale
Instabilität usw. determinieren. Der sich stark fühlende
Mann hat es nicht nötig, eine saubere Toilette oder dgl.
zu hinterlassen. Sauberkeit hier symbolisierte bereits ein Defizit
an Selbstbehauptung, die man bestens und vollständiger dort
erreicht, wo eben mit verschwiegenem, unausgesprochenem Widerstand
und Mißbilligung gerechnet werden kann. Bequemlichkeit siegt
vor allem dort, wo eine sexual-aggressive Determinante vorliegt.
Auf der anderen Seite werden dann wieder Ordnungsrituale entwickelt
mit eben solcher Zugrundelegung einer Selbstbehauptungsstrategie.
Die sind auch Anal-Sadismus, bei der Frau eher wieder Masochismus,
denn mit ihren aufopfernden Ordungsritualen bestraft sie sich
meist selbst.
Frauen unterliegen im Erwachsenenalter in vielen
Bereichen einem Reinheitsszwang, der sich verselbständigte
aus der eigenen zyklischen Selbstbeschmutzung heraus, die ja passiv
erfolgt, d. h. geschieht ohne weiteres Zutun. Sie werden beschmutzt,
lassen sich beschmutzen, vom Mann, vom Säugling und dem eignen
Körper, machtlos denen ausgeliefert, und sie haben noch nicht
gelernt, willensgesteuert souverän darauf zu reagieren.
Ich kann nicht behaupten, daß mich die Windelei
meiner Kinder freute. Ich fühlte mich schon von der Natur
ziemlich ausgenutzt, aber das höhere Ziel ließ Ekel
nicht aufkommen. Deshalb hing ich auch nicht wie manche Mütter
mit der Nase am Popo meiner Kinder, um denen nun wiederum jegliche
Minute Unbehagen zu ersparen. Dann fühlten sie sich eben
eine Zeit unbehaglich. Meine Zeitbedürfnisse stellte ich
nicht vollkommen hinten an, und ich hoffe, meine Kinder lernten
so, mit unangenehmen Gefühlen fertig zu werden. Auch das
hatte etwas mit dem Mich-ins-Kind-Hineinversetzen und Aus-seinen-Gefühlen-heraus-Leben
zu tun. Die Kinder konnten begreifen, daß sie nicht die
einzige Hauptsache eines anderen Lebens waren, und so näher
an ihrem Mittelpunkt dranbleiben.
Frauen insistieren auf dem zum großen Teil
selbstverordneten Bild der weiblichen Reinheit und Schönheit,
das sich nicht vom eigenen und fremden Körper trennen kann
und ihn letztendlich versklavt.
Aber so ganz selbst verordnet ist es wiederum nicht:
Subtile <warmherzige> Männerstimmen in der modernen
Werbung suggerieren antiseptische, keimfreie Sauberkeit in weiblichen
Lebensbereichen, so wie sie von der männlichen Welt verstanden
werden. Zu sehen sind lächelnde Frauen mit dem Keimkillerspray
in der Hand für Bad und Küche oder der sterilen Babynahrung
für die gesicherte? Gesundheit ihrer Kinder. Das Leben wird
befriedigt, stellvertretend für die Frau das Bakterienleben,
aber im Grunde eben doch das Frauenleben samt seiner Brut, das
nun statt Antikörper gegen die Bakterien, Antikörper
gegen die männlichen Chemiekiller entwickeln muß, worauf
sich die Bakterien, wenn sie es begreifen könnten, krummlachen
würden, denn sie brauchen nun nur den günstigen Moment
eines septischen Vergehens erwischen, um sich im jetzt allergisch
reagierenden Körper ein Nest zu bauen. Die klinisch reine
Sexualfrau sucht der Mann gern für seinen phantasiegeladenen
Beschmutzungsakt, denn was zu sehr angeschmutzt ist, kann Mann
nicht mehr befriedigend genug in den Dreck treten. Die erregende
Gegensatzspannung fehlte.
Die Werbung ist ein exzellenter Spiegel der männlichen
Psychologie - Scheinen, Suggerieren, Belehren für ein zuvor
festgelegtes Umsatzziel, mit auskalkulierter Eigennutzanalyse
unter größtmöglicher Verantwortungsminimierung
und geschickt verpackt in einen moralischen Rahmen. Das Rollenklischee
steckt tief dort drin: die Frau - die ewig lächelnd zufriedene
heimidentifizierte, der Mann - der sich nach Freiheit Sehnende,
der erschöpft von seinem gewichtigen Tageswerk mit dem passenden
Bier in der Hand am Meeresstrand in den Sand fällt, die Technik
ihm den schnellen Sphärenwechsel möglich machte.
Mann=Körper+Geist, Geist=Höhenflug der
Selbstwertbestimmung und Eigenliebe, Körper=unbewußte
Seelenmaschine, unschuldiges Geistopfer oder heroischer Seelenanimateur.
So könnte die männliche Formel heißen.
Tatsächlich ist der Mann darauf programmiert,
zu <beschmutzen>, dieses mit der spontanen unbeherrschbaren,
dabei deutlich wahrnehmbaren Ejakulation zum Ausdruck kommt. Seine
genetisch, zerebral und hormonell bedingte Aggressionsbereitschaft
hatte seit der frühen Urgesellschaft den Sinn, ohne Hemmung
auf das Weib zuzugehen, um seine spontane sexuelle Erregung an
ihm abzuarbeiten, genau wie im Tierreich auch. Daß damit
ein Zeugungsakt und Vaterschaft verbunden waren, ist anfangs
nicht ins denkende Bewußtsein geraten. Das war für
das eigene Selbsterleben uninteressant, wurde dann aber durch
Beobachtung zur allgemeinen Erkenntnis. Er erlebte beim Geschlechtsakt
eine angenehme Macht über einen Körper. So ist die Frau
allein deshalb heute für den Mann immer noch überwiegend
Körper. Eine gleiche oder höhere weibliche Intelligenz
und Denkfähigkeit im Vergleich zur männlichen wird trotz
wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse in der Gehirn- und Intelligenzforschung
von ihm unbewußt negiert oder ist für ihn in der realen
Partnerbeziehung nicht oder wenig wünschenswert.
Die Urmenschenfrau dagegen wird einen gleitenden
Übergang des Bewußtwerdens ihrer Mutterschaft erlebt
haben, d. h. ein ausgesprochenes sprunghaftes Bewußtwerden
war nie nötig gewesen. Und es ist für sie zweitrangig
gewesen, ob sie eine Gottzeugung annahm oder einen männlichen
Anteil kannte. Ihre Mutterschaft stand.
Es muß Urmänner wie ein Schlag getroffen
haben, als sie einen Zusammenhang zwischen ihrer körperlichen
Einwirkung und dem weiblichen Geburtsvorgang erkennen durften.
Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit war es die weibliche Seite,
welche den Zusammenhang durch Selbstbeobachtung stets als erste
bemerkte und weiterleitete. Gleichzeitig war der Frau mit dieser
Entdeckung spontan ein zweites Hauptmoment für ihre Verachtung
zugeteilt worden. Die weibliche geringere Körperkraft war
im Unbewußten des Mannes sicher ein erster Fixpunkt
seiner Mißachtung für sie, weshalb Frauen nicht nur
in Ur- und Naturvölkern eben deshalb oft die körperlich
schwersten Arbeiten verrichten mußten und müssen. Eine
Verachtung/Haß hat immer die praktische Folge, daß
man den Feind zu dem schurigelt, von dem man meint, daß
es ihm am wenigsten bekommt. Die Mißachtung war ein kompensatorisches
Hilfsmittel unter anderem auch zur Verkraftung der weiblichen
Geburtsvorgänge, die für ein sich erhebendes Bewußtsein
nicht ohne enorme Wirkung waren. Außerdem trugen Männer
das tierische Verhalten des Phallismus seit der Menschwerdung
in sich fort - die männliche Drohgebärde zur Absicherung
eigener Vorteile. Mit der Bewußtseinsentwicklung verband
sich die Gebärde mit heimlicher Verachtung. Die Frau stand
durch unmittelbare Überlebensverantwortung für den Nachwuchs
immer im Reaktionszwang zur Absicherung elementarster Bedingungen.
Gleichzeitig war Stein des Anstoßes im männlichen Ehrgefühl, daß
die körperlichen Überlastungen trotzdem gut verkraftet
wurden und immer wieder Neues hervorbrachten, mit dem Mann nicht
mithalten konnte. In Urvölkern bauten Frauen Unterkünfte,
bearbeiteten diverse Nahrungs- und Naturstoffe und machten dabei
wertvolle Kultur fördernde/einleitende Entdeckungen, darunter
den Ackerbau, aber auch viele technologische Verfahren zur besseren
Ausnutzung der Naturstoffe und das Kochen, wodurch man ihr später
ihre <Stoff-Geistigkeit> anhängen konnte, die am Materiellen
haften bleibt, wogegen der Mann sich den <reinsten> Geist
einverleiben konnte, ohne zu bemerken, daß er dabei viel
intensiver am Objekt hängen blieb. Die Negation des materiellen
Objekts in einem unbezogenen Denken war/ist ja gleichbedeutend
mit dem Erheben über das Objekt und seiner <Einverleibung>
in eine Sphäre, in der es ungehindert zerteilt und bis ins
autonom Abstrakte verstümmelt eingetütet werden kann.
Man kann auch sagen: mit der seelischen Entfernung vom Objekt
wuchs der materielle Charakter des Denkens, und es entstand seine
äußere Manifestationsform - das Streben nach Besitz
als Beweis höheren Intellekts. Männliche intellektuelle
Leistungen und Besitzdenken stehen im engsten Zusammenhang, sind
miteinander austauschbar und Zeichen des Willens zur Macht um
der Macht willen.
Gleichzeitig waren die Frauen durch die feindselige
minderbewertende oder einfach ignorierende Haltung der Männer
unaufhaltsam im Zusammenhang mit der phasenweise erhöhten
biologischen Abhängigkeit und Verantwortung in der Schwangerschaft,
Geburts- und Stillzeit aufs Nebengleis geschoben. Ihr Denken
wurde ganz klar behindert. Es reduzierte sich alsbald auf
die Absicherung des faßbaren Lebens. Neben der relativen
körperlichen <Schwächlichkeit>, die nicht in der
Dauer, sondern nur in Extremsituationen, z. B. bei der Verteidigung
vor großen Tieren, sichtbar wurde, setzte sich im Mann nach
Entdeckung von Zeugerschaft ein aus dem Unterbewußten agierendes
Denken fest, das ihn zum eigentlichen rechtmäßigen
Besitzer der Nachkommenschaft erkor, ohne dabei allerdings in
gleicher Stärke ein Verantwortungsbewußtsein zu bestimmen.
Seine Flüssigkeit war es, die die Frau benutzte, also war
es auch sein Kind - so der empirische Schluß. Weibliche
Keimanlagen existierten nicht in der Anschauung. Die Frau bekam
im männlichen Verständnis dadurch noch stärkeren
Objektcharakter, wurde zum Behälter, zur Schale, zur toten
Erdmasse, aus der Leben (mythologisch <Geist>) hervorwächst.
Die Frauen, nun Opfer des Unbewußten geworden, mögen
an dem nichts Anstößiges gefunden haben und stolz gewesen
sein auf ihren totalen Erdcharakter. Mangels technischer Beweismöglichkeiten
zogen sie sich auf ihre <Blutmysterien> und Blutopferrituale
zurück. Das Blut war das, was Frau in ausdrucksstarker Weise
vorzulegen hatte, mit dem sie beeindrucken konnte. Selbst das
geriet ihr zum Nachteil bis zur <Eigenerkenntnis>, ein unreines,
schuldhaftes Wesen zu sein. Das Blut ist die Substanz, die im
lebenden Organismus am aller wenigsten das Lebendige des Organismus
ausmacht. Es ist reine Nahrungs- und Stoffaustauschquelle für
das Lebende, vom Lebenden erzeugt zwar, notwendige Substanz, selbst
zellhaltig, von ungeheurer Wirksamkeit und Wichtigkeit als Schutzfaktor,
doch gerade in seiner zellhaltigen Lösungsform das Gegenteil
der flüssigkeitsgefüllten organischen Körperzelle.
Blut ist kein Organ, trotzdem hält es her für weibliche
<Initiationen> bis in die heutige Zeit. Frauen kommen nicht
los von ihrem Blutmythos, weil sie monatlich daran erinnert werden.
Ist es dann in der Menopause vorbei, fühlen sie sich unvollständig
und dem Altern schutzlos ausgeliefert, ganz als ob ihr Leben lang
die Eierstockfunktion das Zentrum ihres Lebens ausmachte und nicht
ihre Gehirnfunktion. In der Symbolik einer alles durchfließenden
Kraft wäre nichts gegen das Blut einzuwenden. Doch es wurde
wegen der Menstruation verkehrt in eine giftige, männerfeindliche
Erscheinung.
Die Vaterschaft dagegen war die endgültige Geburtsstunde
des Gebärneides und sein gleichzeitiger Untergang im Sinne
der Verdrängung. Wenn vor Entdeckung der vermeintlichen,
zur Gottkraft erhobenen <Zeugerschaft> wegen der Selbstverständlichkeit
der Geburtsereignisse kein realer Nährboden im Unbewußten
vorgefunden wurde, so entstand jetzt zwingend die Notwendigkeit,
erst Gruppenvaterschaft, später individuelle Vaterschaft
psychisch zu verarbeiten und ihre Sinngebung zu entdecken. In
der Hauptsache kann man sagen, Männer wollten jetzt Kinder,
weil sie keine bekommen konnten, in kompensatorischer Verarbeitung
ihrer Gebärunfähigkeit. Es ist überdies zeitlich
schwer einschätzbar, wie sich über Evolutionszeiten
hindurch im Kollektiven Bewußtsein der einzelnen Männergruppen
in den einzelnen Erdregionen die Vaterschaftsbewertung manifestierte,
bis sie überhaupt mit dem weltweiten gestaffelten Niedersturz
der mütterlichen Abstammungslinie gesellschaftlich negativ
wirksam werden konnte. Klar ist nur, wenn man historische und
moderne Vaterschaft unter die Lupe nimmt, daß Vaterschaftsdenken
wiederum dazu benutzt wurde, die Vormachtstellung über die
Frau zu erlangen bzw. zu festigen, um so völlige Entscheidungsfreiheit
im Rahmen einer patriarchalen Moral - Feind - Gesinnung zu erstellen.
Es war eine exzellente Möglichkeit, weiblichen Lebensrealismus
und Kooperationswilligkeit in den Dienst der männlichen Selbsterhaltung
und Ich-Triebhaftigkeit zu stellen. Gleichzeitig war es der endgültige
Untergang eines natürlichen sexuellen Verhältnisses
zwischen den Geschlechtern.
Vor dem organisierten Umsturz der Mutterschaft in
den Dienst am Mann gab es Lebensformen - neolithische Gesellschaft
-, in deren Religionen die Frauen dominierten, aber nicht als
Herrscherin über den Mann, sondern als Schutzherrin der wilden
Tiere, der Jagd, des Ackerbaus und Pflanzenlebens, überhaupt
der Erhaltung des Lebens. Das Neolithikum kann als Übergangszeit
zwischen Urgesellschaft und sogenannter Zivilisation angesehen
werden, während derer im Kollektiven Unbewußten der
endgültige seelische Niedergang der Frau längst vorbereitet
und nicht mehr aufzuhalten war. Sich (ab dem 18. Jahrhundert)
Namen machende Männer haben die Urgeschichte periodiziert
im wesentlichen über die jeweilige Produktivkraftentwicklung,
nicht aber vom psychologischen Standpunkt her. Das urzeitlich
herrschende Weltbild und Geschlechterverhältnis wurden sekundär
projiziert, und zwar in gleicher Weise wie es <damals> erfolgte,
also übernehmend und assimilierend hergeleitet aus der faktisch
sichtbaren Produktivkraftentwicklung, nicht aber in einer Betrachtungsweise,
die Weltbild und Geschlechterverhältnis primär heranzieht
für die Beurteilung der Produktivkraftentwicklung. Die positivistischen
Schlußfolgerungen, die gezogen wurden, um das Bild einer
aufstrebenden Menschheit zu entwerfen, waren wohl reichlich verklärt.
Man spricht von unterschiedlichen Vorlieben für bestimmte
Tätigkeiten, die bis heute geblieben seien, so bei Männern
von Vorliebe für Jagd und Viehhaltung und Braten des Fleisches,
bei Frauen für Kochen, Töpferei und Sammeltätigkeit.
Die untergeordnete Rolle hatten Frauen hier längst angenommen,
ohne es recht zu begreifen, weil die gegenseitige Abhängigkeit
ein Bild von ihnen hochstilisierte, das ihnen scheinbar Ehre zuteil
werden ließ, mit einem Priesterinnentum, das sich klammerte
an eine Scheinherrschaft, die sehr schnell aushebelbar war mit
einer forcierten Massenansammlung von Eigentum.
Mit dem besitzverhafteten (anfangs über Großwildbeute/Viehherden
erzeugten) ökonomischen und organisatorischen Sieg der Männer
über die Frauen zogen im Endeffekt Tod und Zwang in das
Leben im Namen der Reichtumvermehrung, später im Namen des
technischen Fortschritts, der ausbeuterischen, versklavenden und
konkurrierenden Arbeitsteilung, der überproduzierenden Naturressourcenaneignung
und des Profits - alle selbst Zeichen des Todes unter der Herrschaft
männlichen Denkens.
Bergbau, Metallverarbeitung in großem Stil,
im Vergleich zur menschlichen Kraft überproportionales technisches
Gerät, Pflug- und Wagenbau, Schwerstwaffen, Straßenbefestigung,
Fürstensitze, Städtebau, Infrastruktur und Fernhandel
ließen das männliche Geschlecht sukzessive aufleben
und zum alleinigen Vertreter menschlichen Fortschritts und menschlicher
Aktivität werden. Männerwelten hatten sich befreit,
und Leben begann von nun an gleichbedeutend zu sein mit der lustvollen
Jagd nach und dem Verlust von materiellem Wohlstand - ein Objektfanatismus
mit Reichtum, Heroentum und Armut, Leid nebeneinander. Die Frau
war ab zivilisatorischen Zeiten nicht nur reines Besitztum des
Mannes, geknechtete Hausmagd, billige Arbeitskraft, Sklavin, austauschbares
und verleihbares Lustobjekt und Werkzeug der Kinderzeugung, was
sich in den Hirnen der Männer lange zuvor festgesetzt hatte
und lange vor staatsgesetzlichen Niederlegungen auch zur praktischen
Wirkung kam im Stammesleben, sondern vor allem verdammt zur
gedanklichen Passivität ohne aktive Einflußnahme
auf das Leben. Ihre gesetzlich verankerte Aufgabe war es nun,
Männerwelten zu stützen, ihre moralische, Schäden
zu minimieren, ihre biologische, das reine Weiterleben zu gewährleisten.
Welch anderer Grund als eine tief gefühlte Feindschaft
des männlichen Geschlechts zum weiblichen hätte Anlaß
geben können, der Frau abstammungseitig und damit rechtlich
und ökonomisch folgenträchtig ihre Kinder zu entreißen,
ihr ihre gesellschaftspsychologische Funktion streitig zu machen
und Vaterrecht zu proklamieren. Das Besitzdenken, beginnend z.
B. mit gezüchtetem Vieh, welches urplötzlich einen höheren
Wert besaß als die der Frau zukommenden Produkte aus Ackerbau
und Haushalt, kann psychologisch nicht der tiefste Grund gewesen
sein für die Erhebung der Vorrangstellung und die Durchsetzung
menschlichen Fortschritts nach einseitigen Maßgebungen und
Richtlinien. Dieses war nur die Oberfläche, der nach außen
<vernünftig> vorgebrachte Anlaß für ein
Vaterrecht, das Mannessucht verschleierte. Es ging nie um Stammeserhaltung,
nicht um Kinderzeugung, auch nicht um Fortschritt, es ging
immer um den Mann, nur um den Mann und sein Selbstwertempfinden.
Moral, Krieg, Gerechtigkeit und Söhne im Dienste von Männerstolz.
Der Mann und das narzistische Ich, verkappt in Häuptlings-,
Magier- und politischem Größenwahn, wirtschaftlicher
Masse und sexueller Überheblichkeit sowie in ständigem
Konflikt mit all dem, weil verflochten mit der zwingenden Logik
der tiefen Unbekannten - der Frau .
Jetzt waren es jedenfalls seine Kinder und die Frau
endlich offiziell das totale Objekt, das beherrscht werden konnte
und nicht mehr Gefahr für den Selbstwert bedeutete. Eine
bedeutende Quelle störender Reizüberflutung und Männer-Ich-vereinnahmender
Objektwirkung einer gefährlichen Außenwelt war auf
oberster Ebene ausgeschaltet.
Der Fortschritt der Menschheit geschieht ja nicht
so bewußt, wie der Mensch manchmal meint. Er geschieht in
der Folge persönlicher, individueller Triebkräfte, und
es ist nicht zu übersehen, daß der Fortschritt des
EINEN der Rückschritt des ANDEREN war. Da nach dem Energieerhaltungsatz
Energie nicht verloren geht und auch nicht aus Nichts entsteht,
so war der Rückschritt des ANDEREN auch zugleich ein Fortschreiten
seines Inneren, und der Fortschritt des EINEN war der Rückschritt
seines Inneren.
Niemand ahnte den tiefgründigen Sinn dieser
psychologischen Revolution, da Männerwelten immer in einhelliger
unausgesprochener Übereinkunft handeln konnten, wenn es um
Herrschaftsanspruch und Triebbefriedigung ging. Es ging um Identifikationswerte.
Männer sind die geborenen Kollektivisten und Herdentiere.
Ihre Individualität geht erst mit oder in der Masse
auf. Ohne Masse hätten sie keine Zuschauer, wo aber kommen
dann der Beifall, das Lob und der Ruhm her. Versetze einen Mann
in die Einsamkeit, und er wird sich sinnlos verloren vorkommen,
wenn er nicht gerade introvertierter Künstler, Wissenschaftler,
Träumer oder Naturfetischist ist. Die Männer- oder Jungengruppe,
die Skatrunde, das Saufgelage, der Motorradkorso, die Arbeitsgruppe
oder die Vereins- und Parteizugehörigkeit sind schon die
halbe Initiation, mit der Mann seinen Selbstwert erfährt,
und sie ist tatsächlich ein gewisser Schutz gegen Vergewaltiger-
und Mördertum, doch zugleich dessen Förderer, denn Männergefühle
basieren auf solidarischem Verständnis und nicht auf differenzierter
Tiefe - im allgemeinen - bei aller Tiefenfühlung auf jeden
Fall auf einer sich von aller Weiblichkeit abgrenzenden Form.
Das unter Männern beliebte Zitieren männlicher Erfolgsgrößen
ist eine unbewußte Initiationsmethode, mit der man das eigene
Geschlecht in den Himmel hebt.
Selbst weltberühmte Literaten, Künstler,
Philosophen und Wissenschaftler bauten, mindestens insgeheim auf
die Zukunft hoffend, auf Masse, denn wenig Publikationen und Werke
würden wenig Menschen erreichen. Die unbewußte Devise
lautet: die Masse bringt es, nicht die Qualität, bzw. mit
der Masse kommt die Qualität. Die mengengewaltig empirisch
erfassende und beschreibende Denkweise verpaßte personell
nicht den Umschlag in die wesentlich neue Qualität, denn
großen Quantitäten drängen sich ab bestimmter
Stufe neue Qualitäten auf, denen man nicht mehr entrinnen
kann, wenigstens nicht in der nächsten Generation. Auch hier
war geschlossene Männerbündigkeit bei der Verarbeitung
vorhandenen Wissensgutes ihr Vorteil, denn die ersten großen
Bildungssysteme blieben stets räumlich, zeitlich, rituell
und gesetzlich Männern vorbehalten. Man fühlte unterschwellig,
kaum wahrnehmbar?? schon die Konkurrenzgefahr, welche auf intelligentem
Gebiet von weiblicher Seite eventuell drohen könnte. Anderenfalls
hätte Mann sich nicht jahrhundertelang mit Brachialgewalt
gegen weibliche Wissenschafts- und Bildungstätigkeit erwehren
müssen. Die männliche Domäne mußte mit aller
Macht verteidigt werden gegen weiblichen Einfluß, denn hier
lag das Geheimnis der Männlichkeit tief vergraben. Männliche
Souveränität stand auf dem Spiel, eine Souveränität,
die augenscheinlich nur zu erfahren ist über despotische
Bestimmung. Obwohl Frauen allgemein lange Zeit keine Gefahr auf
intellektuellem Gebiet für eine Männerwelt bedeuteten,
noch heute mit Ignoranz erfolgreich in die Ecke gedrängt
werden, stand und steht der einzelne Mann jeweils in Alarmbereitschaft.
Sein Unterbewußtsein erfaßt jeden weiblichen Versuch
des Einbruchs in seine Domäne und erwehrt sich mit Zurückweisung,
gestattete in vergangenen Zeiten allenfalls das wohlwollend kritische
Zuhören, die intellektuelle <Inspiration>, alles darüber
Hinausgehende schnell die Prädikate <besserwissend>
und <unlogisch> aufgedrückt bekam. Es ging schließlich
um Identifikationswerte. Ihr Leben verschrieben sie ganz ihrer
jeweiligen Kunst. Sie waren allesamt Große Männer.
Viele von ihnen machten nicht einmal ein Hehl aus ihrer Verachtung
für das Weib, posaunten sie stolz heraus, lebten sie vor,
und so mancher wurde dadurch bestärkt, die Nichtswürdigkeit
des weiblichen Lebens endlich einzusehen. Obgleich gerechterweise
zugebilligt werden muß, daß auch Männer Unverständnis
und Gegenreaktionen aktivierten bezüglich der unheilvollen
Unterdrückung des weiblichen Geschlechts sowie versuchten,
wissenschaftlich dahinter zu steigen und sich selbst jenem Denken
zu verweigern, ohne zu ahnen, wieviel archetypische Fehlentwicklung
in ihnen selbst verankert war, die sie und die Besten zum Opfer
des anthropologischen Frauenbildes machte. Engels:
"Der Umsturz des Mutterrechts war
die welthistorische Niederlage des weiblichen Geschlechts. Der
Mann ergriff das Steuer auch im Haus, die Frau wurde entwürdigt,
geknechtet, Sklavin seiner Lust und bloßes Werkzeug seiner
Kinderzeugung." Der Umsturz war eben
lange davor in Vorbereitung gewesen und kein wirtschaftliches
Muß, sondern ein tiefenpsychologisches Problem, mitten drin
in der Grundfrage der Philosophie, welche zu jener Zeit des langsamen
Werdens und Erwachens des Urkonflikts der Geschlechter - in der
Kindheits- und Pubertätsphase der Menschheit - natürlich
keinerlei Bedeutung hatte und erst an die Menschheit herantrat,
als Mann und Frau längst fest einklassifiziert waren. Männer
wollten philosophieren, die Welt verstehen, Wissenschaft machen,
entdecken, erfinden, politische, technische und nun mikroelektronische
und virtuelle Dynastien errichten, Psychologen sein. Man schrieb
popularitätssteigernd füreinander lange Vorworte und
Dankesreden, hochlobte sich gegenseitig für das moralisch-ethische
Bewußtsein um die Menschheitsprobleme. Manchmal bekam sogar
eine bienenfleißige Mit- und Zuarbeiterin ein kleines Dankeschön
formuliert. Nur den anderen Teil der eigenen Art, den meinte man,
außer acht lassen und zwecks Selbstverwirklichung (erfolgreich)
in selbst gezimmerte Schubladen stecken zu können, beflissentlich
darauf achtend, dessen Individualentwicklung im eigenen Familienkreis
niemals zu viel Freiraum zu gewähren. Nach außen war
man Moralist, Naturfreund und Weltheld und innen, tief vergraben
und hinter einem zutiefst subjektiven Bild und einem Gerede von
<anständigen jungen Damen> oder <gebildeten intelligenten
Frauen> unerschütterlicher Weiberfeind.
Der tatsächliche Naturindividualist sitzt auf
der anderen Geschlechterseite. Weibliche Psyche ist unergründlich
und kompliziert, beziehungsweise beziehungsreich. Sie muß
es sein, denn Lebensverantwortung und Überleben lassen sich
nicht mit oberem Gehorsam, Unterordnung, gesetzlicher Anpassung,
Selbstsucht und technischem Fortschritt realisieren. Weiblichkeit
und Herdentum sind unvereinbar, unvergleichbar und daher nicht
einmal Gegensätze. Weiblichkeit ist nicht Masse, sie ist
Verbindung und das beurteilende Wissen um die eigene Verflochtenheit im sie umgebend Lebendigen und Unlebendigen für die Absicherung reaktionsfähiger Unabhängigkeit, die ebenso in einer SCHEINUNTERORDNUNG sich Ausdruck verleihen kann und das Primat einer Reaktionskausalität beinhaltet im Sinne einer immer zugleich sich und andere widerspiegelnden Gegensatzreaktion in Nachdenklichkeit.
Wenn die Frau eines nicht sein darf, so ist es, <anständig>
zu sein.
Dieses gemeinsame männliche Herrscher- und Individualgefühl
in Verbindung mit einem moralisierenden Herdengehorsam und einem
technischen Wegschritt vom Leben war eben auch gehirntechnisch/hormonell
bedingt, aber keinesfalls genetisch unausweichlich vorprogrammiert,
eher ein Teilversagen der Natur, die das Denken nicht genügend
einkalkulierte und für sich absicherte. Es sei denn, dem
Mann ist die <ehrenvolle> Aufgabe tatsächlich von der
Natur erteilt worden, dem Leben auf der Erde in enger Zusammenarbeit
mit den zerstörenden Naturgewalten als Folge seiner Einwirkungen
ein Ende zu setzen bzw. es zuvor in die technologische, mikrochipbeherrschte
und genmanipulierte Versklavung zu schicken. Dann wäre die
Frau allerdings von der Natur zur Passivität verdammt und
aller Wirksamkeit enthoben, die Bahnbrechendes auslösen und
den Todeskurs der Vernichtung stoppen könnte. Dann ist nichts
mehr zu machen in den verschnittenen Gehirnen. Dann ist
es eben so, und man kann sich nur noch phantastisch ausmalen,
wie es hätte anders verlaufen können, wenn ... .
Vorerst jedoch möchte ich die Hoffnung nicht
ersticken, daß weibliche Naturmacht und weibliches Denken
in Bahnen zu lenken seien, die erstmals auch etwas Vernünftiges
bewirken und hinausführen aus der leidlichen emotionalen
Erosschiene in ein achtenswerteres Denkprinzip mit neuen Konzepten
zum Überleben ohne das krankhafte Werte-, System- und Herrschaftsdenken.
Wer herrschen will, will auch verachten, denn wenn
jemand jemanden achtet, so kann er ihn unmöglich beherrschen
wollen, weil Herrschaft immer bedeutet, einem anderen seinen Willen
aufzuzwingen und den des anderen zu negieren. Wer herrscht, unterdrückt.
Wer unterdrückt, der tötet Leben, denn Leben kann nicht
ungestraft unterdrückt werden. Wer frei leben will, will
nicht unterdrücken, denn würde er unterdrücken,
so wäre die Gefahr seiner Niederlage beim Aufbegehren des
Geknechteten groß. Er müßte ständig auf
der Hut sein und absichern, damit er nicht sein mühselig
aufgebautes Konstrukt verliert, das ihn ermächtigt. So herrschen
Männer unter ständig herauf schwelender Nervosität
mit intuitiver Ahnung von ihrer Falschherrschaft und ihren pseudologischen
Fehleinschätzungen und sind somit schnell verletzbar und
innerlich zur Abwehr jeder Kritik vorbereitet, dieses öffentlich
in etlichen Politveranstaltungen hervorragend zum Ausdruck gelangt.
Das Tier hört auf, zu beherrschen, wenn seine
grundlegenen Bedürfnisse nach Nahrung, Sexualität und
Sicherheit befriedigt sind. Es empfindet Leben außerhalb
von Herrschaft, auch so das männliche Tier, das potentiell
oft im Prinzip die gleichen Voraussetzungen bietet für eine
Vormachtstellung gegenüber seinem weiblichen Mittier.
Der männliche Primat <beherrscht> das
Weibchen sexuell, wenn es dazu Bereitschaft zeigt oder aufgrund
zufälliger, zeitlich unvorherbestimmter Gegebenheiten seiner
körperlichen Überlegenheit oder Sexualerregung. Und
auch das unabhängige Weibchen setzt seine Körperkraft
gegenüber schwächeren Tieren ungeniert ein.
Führertum bei Tieren dient unbedingt der Gesamtheit
zur Absicherung nach außen und innen, ist nicht totalitär
garantiert und erfolgt im wesentlichen auf Grund allgemein unwidersprüchlich
anerkannter Berufung.
Die männliche Führung in der menschlichen
Gesellschaft war nie unwidersprüchlich anerkannt, da sie
keine Führung beinhaltete, sondern freie Herrschaft und Macht
über andere mit totalitärem Rangordnungsanspruch.
Doch das Wesentliche ist: Das Denken setzt andere
Maßstäbe als der tierische Instinkt in einem eher abgrenzenden
statt erweiternden Lebensraum.
Das Denken menschlicher Vorfahren entwickelte sich
möglicherweise gezwungenermaßen als Ausgleich eines
gewissen Mangels an körperlichen und senso-motorischen Fähigkeiten,
auf Umweltreize adäquat zu reagieren. Im Vergleich zu seinen
raubtierischen und angriffsfähigen Mitbewohnern des Urwaldes
war der menschliche Vorfahre plump und besaß kaum relevante
körperliche Abwehrausstattung. Die Reizreaktionen sind beim
Menschen vergleichsweise zum (höheren)Tier schwerfällig.
Die Reizverarbeitung und -reaktion, die ausgehend von einer Hochleistungsfähigkeit
einzelner Sinnesorgane und Körperteile beim Tier oftmals
eine starke Intensität und Schnelligkeit besitzen, wurden
im menschlichen Gehirn - so könnte man annehmen - kompensatorisch
(durch biochemische/bioelektrische Zwischenzellverbindungen) verlängert,
wodurch ein besserer Abspeichermechanismus entstand - das höhere
Gedächtnis. Diese spezifische Informationsabspeicherung war
nun wiederum ausgezeichnet abstimmbar mit dem menschlichen, sich
aufrichtenden Körperbau und dadurch weiter ausbaufähig.
Die verlängerte Reizverarbeitung und -abspeicherung führte
zum Wahrnehmen einer Umwelt, in der Form höher als beim Tier,
weil es heraustrat aus einem Konkretismus einer raum-zeitlichen
Bezogenheit und einen Ideencharakter annahm, der zugleich eine
Bewertung/Vergleichbarkeit der Wahrnehmung zuließ und ein
Herausgleiten des Willens aus der Instinktsphäre einer festen
Umweltbeziehung in eine Sphäre einer aktiv erweiternden Umweltbeziehung.
Oder so: es gesellte sich zum Konkretismus der Umwelteinwirkungen
ein Konkretismus der erlebten Umweltbeziehung.
Auf Kosten einer Ablenkbarkeit, die dem Tier eine
breite Reizaufnahme sichert und so ein totales Verankertsein in
seiner gefahrvollen Umwelt, entwickelte sich beim Menschen durch
die verlängerte Reizverarbeitung Konzentrationsfähigkeit
und Konzentrationsabhängigkeit, die einerseits ein zielsetzendes
Einwirken auf die Objekte der Außenwelt ermöglichten,
andererseits aber gewissermaßen dazu zwangen, indem zwangsläufig
parallel erscheinende Reizeinwirkungen der relativen Verdrängung
verfielen. Diese relativen Reizverdrängungen, ausgedrückt
auch in Reizschwellenwerten, waren/sind nunmehr Ursache für
die latente Nervosität und Unsicherheit des Menschen im Rahmen
seiner Bewußtseinstätigkeit. Die Reize wirken unterschwellig.
Jeder hat schon einmal erfahren, wie entnervend verdrängte
Außenweltreize plötzlich eine Konzentration erfordernde
Tätigkeit zum Abbruch brachten. Jene Bewußtseinstätigkeit
verläuft auf Dauer ausgeglichener, störungsfreier und
zieladäquater, die aus einem ineinandergreifenden Zusammenspiel
innerhalb der Gehirntätigkeit schöpfen kann, das Konzentration
und Nebenreizverarbeitung zu einer gleichberechtigten Existenz
verhilft, das also psychische Störfaktoren oder auch bestimmte
verdeckte, unauffällige Eigenschaften eines abstrahierten
Inhaltes zeitgleich zielgerichtet verarbeitet. Ich denke, daß
hier ein erheblicher Unterschied zwischen der durchschnittlich
weiblichen und männlichen Bewußtseinstätigkeit
besteht: Während der Mann seine Konzentration mehr willentlich
steuert, ist sie bei der Frau a priori gehirnstrukturell (z. B.
breiterer Gehirnbalken zwischen den Gehirnhälften, durchgängig
höhere Dichte der Gehirnzellen mit Ausnahme des unteren limbischen
Systems, größere Gehirnmasse zum männlichen Gehirn
im Verhältnis zum Gesamtkörpergewicht) vorhanden und
zwar in der Breite der Reizaufnahme, man könnte sagen wie
beim Tier, auch zu Gunsten einer Ablenkbarkeit, aber mehr noch
zu Gunsten einer hierarchischen Wertung und Einbeziehung (oberes
limbisches System). Moderne Versuchsreihen zeigten: Frauen besitzen
eine schnellere Auffassungsgabe, ein präzieseres Detailgedächtnis
und eine bessere Feinmotorik, dem Männer ein besseres räumliches
Orientierungsvermögen entgegenhielten. Frauen besitzen insgesamt
eine größere Nervenmasse, eine höhere Reizbarkeit,
höheren Pulsschlag und viele Merkmale wie höhere Gehirnaktivität
im Vergleich zu Männern auch im Alter, die insgesamt auf
eine intensive Verbindung zur Außenwelt hinweisen. In Anbetracht
der Verantwortung, die Frauen im Rahmen ihrer Fortpflanzungsfunktion
für geborenes Leben naturgemäß zugeteilt wird,
ist dies kaum verwunderlich. Weibliches Denken dient unbedingt
der Erhaltung des Lebens, indem es sämtliche Faktoren einer
gefahrvollen Außenwelt möglichst umfassend aufnimmt
und beurteilt. Eine qualitativ hohe Empirie ermöglicht auch
eine höhere Schlußfolgerungsfähigkeit, sprich
logisches Denken. Es hebt sich selbst auf und gelangt in eine
Perversion, z. B. Gefühlsüberbetonung/Übersinnlichkeit,
wenn es durch zwingend suggestive Einflüsse eines anderen
Denkens beherrscht wird. Es ist dann allerdings immer noch in
sich relativ stabil, leistungsfähig und abgestimmt auf die
äußeren Lebensbedingungen, verhält sich sozusagen
kompensatorisch zur eigenen Perversion, weshalb Jung
zum Beispiel auf den <männlichen>
Charakter der weiblichen Seele kam oder weshalb man von der höheren
psychischen Belastbarkeit bei Frauen spricht. Die in ihrer weiblichen
Traditionsrolle verhaftete Frau unterliegt folgerichtig dem Zwang,
ständig von außen die Bestätigung ihrer erfolgreichen
Rollenausfüllung einzuholen, weshalb sie sich meist selbst
übertrifft bei der Verrichtung von Tätigkeiten, die
ihr im Prinzip zuwider sind - eine Art Selbstbestrafung für
die unbewußte Erkenntnis um die Perversität ihres Denkens.
Der Mann scheint in seiner Konzentrationsfähigkeit
wesentlich abhängiger zu sein von einem willentlichen Ausschluß
störender Faktoren, wobei ihm sein zellverstärktes unteres
limbisches System hilft, das als Sexualzentrum eine gewisse hochaufladende
Funktion ausübt, im Gegenzug aber eine starke Entladung einschließt,
wenn Reizschwellenwerte überschritten werden, so daß
er störenden Einflüssen eher total unterliegt und deshalb
eines starken subjektiven aufrichtenden Identifikationsbildes/(künstlichen)
Über-Ichs bedarf, um dem zu widerstehen. (Sein Geschlecht
holt ihn überall ein. Er kann einem fast leid tun.)
Doch noch mal zurück zu frühurmenschlich
denkender Wildheit und archetypischem Unterbewußtsein:
Wichtige Ereignisse, die das gemeinschaftliche Leben
beeinflußten, geschahen innerhalb eines bestimmten Teils
der Urhorde, ohne daß der andere Teil einen direkten Einfluß
darauf hatte. Es wurde geboren, genährt, versorgt, Nahrung
besorgt, Unterkunft gerichtet. Es gab zwei <Arten> von Leben.
Die eine konnte vermehren, die andere nicht. Junges Leben mußte
verteidigt werden vor Eindringlingen. Welches war wichtiger, das
eine oder das andere? Natürlich das, welches diese gewisse
Geschwulst hatte wie man selbst als Verteidiger. Jeder männliche
Primat würde sich wahrscheinlich instinktiv so entscheiden.
Mit der totalen Erfassung des eigenen Geschlechtsteiles erwachten
das männliche Identifikationssymbol und erste Projektionen
eines Geschlechtswertes (Phallismus). Es entwickelte sich erster
ungeahnter, unbestimmter Haß auf diese Unterschiedlichkeit.
<Wieso dieser Unterschied?> (Weibliche Kinder wurden später
unter Wilden - und nicht nur da - vermehrt gleich nach der Geburt
getötet.)
Nervosität wurde bewußter, wenn äußere
Einflüsse diese erregten. Zusätzliche Aggressivität
wurde mobilisiert als Gegenwehr gegen diese Nervosität. Das
differenzierende Denken erforderte doppelt Energie, denn jetzt
mußte nicht nur auf äußere Gefahren (Raubtierangriff)
nach archetypischem Instinktbild reagiert werden, sondern auch
noch auf den damit verbundenen bewußtseinserweiterten Widerspiegelungsakt
der konkret erlebten Umweltbeziehung, wodurch affektvollen Reaktionen
gleichsam eine unterschwellige Schockwirkung verliehen wurde.
Angst wurde bittere Realität, die nicht einfach zu ertragen
war - ein vorneurotischer Zustand, der allein durch die Tatsache
eines Konzentration erfordernden zielgesteuerten Denkens ausgelöst
wurde. Die schnellste und Überbewußtsein fördernde
Methode, Angst zu kompensieren, ist, sie in Aggression umzuwandeln,
wobei Hormone und das untere limbische System vorzüglich
halfen. (Später verwechselte die Menschheit dieses Überbewußtsein,
das sich unter männlichen Individuen mittels Identifikationsmechanismen
und Vorbildwirkungen verselbständigte, mit Ich-Stärke,
wodurch hervorragende Tyrannenfiguren ganze Völker in kurzer
Zeit ins Unglück stürzen konnten.)
Die weibliche Seite blieb für das männliche
erwachende Bewußtsein wechselvoll - ruhig, gelassen, abwartend,
auffordernd und irritierend. Angstbewältigung war nicht
vordergründig mit Aggression durchzogen, sondern paßte
sich affektloser ein. Im Ernstfall war auch sie voll einsatzbereit
zur Selbstverteidigung. Sie mußte auch die Jungen beruhigen
und beschützen. Was aus ihr geboren kam, war ihr relativ
gleichwertig, ob mit oder ohne Geschwulst. Es war vormals ein
Teil aus ihr, somit waren ihr alle Mitglieder der Horde relativ
gleichrangig wert. Es war zu einer Zeit, als von orgiastischen
Festritualen einer festgelegten Mutterwelt im besonderen Matriarchatszustand
einer Vorackerbau- oder Ackerbaukultur noch nicht die Rede sein
konnte. Ich würde sagen, es war so vor ca 2-3 Millionen Jahren
im Noch-Tier-Mensch-Übergangsstadium. SIE hatte einstmals
eine natürliche Tiefenwahrnehmung, ohne latenten Hintergrundzwang
zur Erhebung über ihre eigene Existenz in eine Supermacht.
Ihr Lebensgefühl war frei von überzogener Identifikationssuche.
Sie war sich in allem selbst Identifikation genug mit ihren vielen
körperlichen Mysterien, die es zu untersuchen und einzubinden
galt in eine sich eröffnende Welt von Eindrücken, Bewegungen
und Veränderlichkeiten. Sie bemerkte die latente Unruhe und
Suche der männlichen Seite.
Ein Urmann in körperlicher Notlage, vielleicht
wegen eines Schmerzzustandes: raus mit der Aggression, sie war
schließlich schon bereitgestellt und drang nach Abreaktion
in die verdiente Ruhe. Die Muskeln fordern ihren Tribut. Man hat
Kraft, man kann auch töten, hier ist der Beweis - ach es
war ja nur eines dieser Jungen ohne Außengeschwulst. Die
Außengeschwulst, die sich wandelt, spannt und aufglüht
und zur Tat zwingt, welcher das innen hohle Andere nicht entkommen
kann, ist es, die einen Herr über die Dinge werden läßt.
Jene Macht wurde stetig bewußter. Man erlebte/erfühlte
irgendwann im Verbundensein mit der Natur Gleichnisse: <In
der Geschwulst wächst ein Kraftstrahl, der sich entlädt
wie die regelmäßigen Donner und Blitze am Himmel, die
das Umgebende in Feuer und Asche verwandeln, verbrennen und zerstören.
In mir ist auch Blitz und Feuer. Ich fühle mich dem da oben
zugehörig. Von dort kommen Kraft, Feuer, Segen, erdbefruchtendes,
reinigendes Wasser, wärmende, Nahrung erzeugende Sonnenstrahlen,
alles Heil und donnernder, grollender, feuerspeiender oder sturmgepeitschter
Zorn, die dem gefährlichen Unten, dem unreinen, erdabhängigen,
erdbeschmutzten, blutigen Körperlichen die wahre (göttliche)
Macht entgegensetzen.> Gegensätze müssen Männer
frühzeitig angezogen haben, denn sie empfanden sich wohl
selbst frühzeitig als anders, unterschieden, abgetrennt von
Frauen - eine Einstellung, die in der psychischen Konstitution
begründet lag, in der sich sichtbar aufdrängenden phallischen
Identifikation ihr äußeres Äquivalent fand, selbstverständlich
dem Prinzip der Konzeption unterstand und auf der Ebene der reinen
Fortpflanzung eine naturgegebene Notwendigkeit war. Weiblichen
Individuen war und ist diese Einstellung fremd. Diese fühlten
sich niemals als Gegensatz zum Männlichen. Die Frau war vielmehr
Alles, auch das Männliche und schloß dieses in sich
ein. Ihr psychologischer Gegensatz zum Mann war, daß sie
sich nicht als Gegensatz fühlte, so wie der Mann es auf sich
bezogen tat. Die Frau ist vielmehr die Personifikation der Gegensätze,
welche ihren spezifischen Wert zum Überleben ausmachten und
in ihrer späteren Zwangsanpassung an den männlichen
Willen einen Notausdruck fanden. Die Frau bezog den Mann in den
eigenen Lebenskreis ein, denn er war ja geburtstechnisch ihr's
und kam auch regelmäßig zu ihr zurück.
Die Frau fühlte sich auch unter der Erniedrigung
weder einem Oben noch einem Unten ausdrücklich zugehörig,
sondern urbildhaft als Ganzes in einem Ganzen, als Enthaltenes
in einem Enthaltenden, als Inhalt der Welt mit der Kraft des Formens
und Wandelns, deren Entffesselung Gefäße schuf, die
als Körper nicht das Gleichnis der Weiblichkeit darstellten,
sondern die Körper gewordene Abstraktion der Welt und in
dieser Abstraktion und im äußerlich sichtbaren Schöpfungsakt
es selbst. Der Mann war auch Inhalt der Welt und zugleich mit
ihm, dem Weiblichen, geformt und damit sein Produkt, kein Gleichnis
und kein Abbild, sondern eine Form zu seinem Überleben und
somit kein Gegensatz, sondern ein Variiertes. Das Körperliche/Gefäß
war Mittel zum Zweck, erschaffen, um Leben zu gestalten, Leben
zu führen, das dem Selbst des Weiblichen gerecht wurde gleich
wie dem männlichen Part, welcher nicht zu seiner Unterdrückung
und Tötung von ihm geboren wurde.
Die Milch der Frau ist nicht sie selbst und nicht
das Weibliche, sondern vom Weiblichen erschaffenes Objekt, ein
körperliches Ergebnis energetischen Wirkens. (Ich hatte
keine fühlende Beziehung zur Milch in meiner Brust, sie war
ein Fremdkörper, der allerdings Reizwirkung ausübte
und zu Spannungen führte. Meine Weiblichkeit ist auch nicht
mein Menstrualblut, das den Tod verkörpert und ausgestoßen
wird, oder irgend ein faßbarer, sichtbarer, tastbarer, fühlbarer
Körperteil, nicht meine Gebärmutter, nicht mein Auge,
nicht mein Kopf, nicht meine Gehirnmasse, keine Eizelle, nichts
von alledem, sondern nur der energetische Ausdruck von allem,
ein Fühlen mit allen daraus folgenden Abstraktionen und Schlußfolgerungen
weit hinaus über mich selbst und doch zu mir zurückführend.
Mein Körper ist Mittel zum Zweck und er ist meinem Willen
unterstellt, solange er mit ihm funktioniert. Er besitzt eine
submarine Macht, einen eigenen Willen, eine energetische Ladung
und Kraft, die einem Unter-Ich gleichkommen, ohne welches Abstraktion
weit über mich selbst hinaus nicht organisierbar wäre.)
Das vom Weiblichen zu seinem Überleben erschaffene
männliche Variierte war (ist) ein bewußtseinsseitig
Unvollkommenes und unter dieser Prämisse sexuell, in der
Folge psychisch abhängig von ihm. Das weibliche Leben war
durch die Abhängigkeit des männlichen Lebens ursprünglich
unabhängig und frei von innerer Widersprüchlichkeit
auf die Außenwelt orientiert. Weibliches Leben war vielmehr
von sich selbst abhängig, vom Sexualzyklus, von Schwangerschaft
und Geburt usw., nicht aber von einem äußeren Gesetz,
das sich in Form eines Denkens aufdrängte. Das männliche
Leben war hochgradig abhängig vom weiblichen, nicht nur während
des kindlichen Heranwachsens, sondern vor allem später im
Rahmen seiner Sexualfunktion. Die Frau verkörperte für
den Mann stärker eine bedrohende Außenmacht mit einer
unbedingten Suggestionswirkung als umgekehrt ursprünglich
der Mann für die Frau, welche in höherer Außenorientiertheit,
weil prinzipiell sexuell in einer erlebenden psychoaktiven Position,
reichlich Erfahrung mit der Natur sammelte. Die eigene abhängige
Unvollkommenheit, die zum sexuellen Übergriff auf die Frau
nötigte, ertrug das männliche Denken intuitiv nicht.
Die angenehme Macht über einen Körper war gleichzeitig
eine erschreckende Erfahrung eigener Destruktivität. Es suchte
nach Wert, weg vom Körperzwang und somit nach Gegensätzlichkeit
und Abhebung. Körperüberlegenheit und Aggressionszwang
dienten wiederum als determinierende Begründung. Es mußte
solange warten, bis es bewußtseinsseitig zum Gruppenzusammenschluß
fähig war. Durch diesen oppositionellen Akt des Abhebens
verloren Männer jedoch den Bezug zur Außenwelt, zu
der Frauen wiederum gesetzmäßig gehören.
Die Orientierung auf die Außenwelt kann von
reizüberfluteten männlichen Psychen im allgemeinen erst
vorgenommen werden, nachdem sie sich subjektive Prämissen
setzen, die ihre Beziehung zur Außenwelt festsetzen. Das
entspricht männlichem Zwang, das weltlich Unregelmäßige,
die Verworrenheit der Erscheinungen der Außenwelt in Gesetzmäßigkeiten
zu überführen, um dem Gefühl des Ausgeliefertseins
an die Objekte zu entgehen. Das Objekt wird getötet, zerteilt
und seiner Wirkung enthoben. Dem Objekt wird vorab die Möglichkeit
genommen, seine wirklichen Qualitäten zum Vorschein zu bringen.
Sein Einfluß wird paralysiert und das Objekt wird unbewußt
vor dem Abstraktionsakt in einen subjektiven Sinnzusammenhang
gestellt. Auf die Gefahr des Vorwurfs einer stilisierenden Betrachtungsweise
- andererseits ist das weltweibliche Leben in einer Männergesellschaft
ein stilisiertes, eine einzige Belehrung und Lehre vom Leben der
Frau mit dem Mann unter ihm: Männer können sich nichts
unvoreingenommen erleben lassen, sie müssen zuordnen, sie
hören sicher selbst Musik mehr in einer Weise, welche die
Melodien und Töne dem Zusammenhang entreißt und sie
unterteilt und zuordnet in einzelne Abbilder ihres (musikalischen)
Weltbildes. Ein reflektorisch, ineinander überfließendes
Denken ist ihnen fremd, wenn es nicht gerade hoch konzentriert
ist auf eine mathematische Formel. Sie brauchen die Sicherheit
der Struktur, um dem Fluß der eigenen Gedanken nicht zu
unterliegen. Ihr Denken ist nicht gegensätzlich, sondern
geradlinig und dadurch dem eigenen Fehlurteil ausgeliefert, dessen
Fehlerhaftigkeit, solange es den selbstgemachten präzisionsgerechten
Rahmenbedingungen entgegenkommt, der Verdrängung verfällt.
Fazit ist: der Mann erfaßte seinen Gegensatz
zur Frau in der Umkehr. Das Weib erfaßte den seinen nicht,
sondern ließ sich den seinen vom Mann umkehren, daß
es lunar wurde und den Mann die solare Gewalt übernehmen
ließ. Sol und Luna wurden vertauscht, auf daß die
Gegensätze sich kreuzweise ins Gehege kamen, Mann und Weib
(bis ins Vielfache) spalteten, die QUATERNIO
begründeten, welche den Alchemisten Kopfzerbrechen
bereitete und deren Synthese sie u. a. mit der Kreisbewegung des
Sonnenlaufs beschrieben, welche so gedeutet werden kann, daß
wenn die Frau zu sich selbst und ihrer Kraft gefunden hat, ihr
Kreis vollendet wurde und somit auch die Gegensätze der QUATERNIO
wieder vertauscht werden, diese dadurch aufgelöst
wird und ein Gegensatzpaar gebiert, das endlich die mit sich vereinten
Menschen entstehen läßt. Im Mysterium Coniunctionis
bei Jung ist das
ganze Menschheitsdrama, das auf den vertauschten Qualitäten
von Männlich und Weiblich beruht, beschrieben - ein Psychothriller
par excellence. Die Alchemisten wußten mehr, als sie ahnten.
Sie wollten die Gegensätze einigen und suchten die Lösung
natürlich wieder im Männlichen.
Großes Wirrwarr erkennt man beim Umgang in
der Psychologie/Philosophie mit dem Begriff EROS. In der Mythologie
ist er natürlich männlich, in der Antike ein geflügelter
Knabe mit Pfeil und Bogen, als Amor und griechischer Gott der
Liebe der Geliebte der Psyche, die Verkörperung kosmogener
Urkraft, (welche dem Begriff weiblicher Urkraft wenigstens stilistisch
nahekommt); in der Philosophie und Mystik ein zentrales Weltprinzip
und das Zusammenstreben alles Seienden; bezüglich des letzten
Faktes bei Jung
auch schon weiblich und ein
<In-Beziehung-Setzen> im Gegensatz zum männlichen
LOGOS des <Unterscheidens, Urteilens, Erkennens>, doch ohne
die Schlußfolgerung, daß ein In-Beziehung-Setzen gerade
den höchsten Grad von Logik erfordert, wenn es nicht ein
halbherziges, unsynthetisches Lächerliches bleiben soll, und
die Unterscheidungs- und Zerteilungsfreude im männlichen
Denken gerade quantitativ-analytischen und empirischen Charakter
trägt, der von einer dialektischen Logik weit entfernt steht;
bei Freud ist
EROS - wie könnte es anders sein - männliche Libido
und Sexualenergie, Sexualtrieb, "die alles Lebende zusammenhält"
und folglich ein Prinzip des narzistischen, hassenden, Liebe erzwingenden
Ichs. Ja, dies Letzte kommt dem männlichen Prinzip wirklich
sehr nahe: Der Mann ist nur bereit zum Zusammenhalt des Lebenden,
wenn er ob seiner Unanzweifelbarkeit geliebt wird, und jeder weibliche
Zweifel an seiner Person ist - bei Jung
^Mysterium Coniunctionis^, Bd. 14/1, S. 198 - zum Beispiel so
beschrieben: "Diese unübertreffliche
Logik kann den furor rationalis leicht zur Weißglut bringen.
Glücklicherweise verläuft sie meist im Dunkeln oder
verhüllt sich im Schimmer der Unschuld. Die Mondnatur ist
ihr eigener bester Schutz (gezwungenermaßen),
was dort sofort deutlich wird, wo die
unbewußte Männlichkeit in ein weibliches Bewußtsein
durchbricht und den Eros beiseiteschiebt."
Natürlich ist es umgekehrt: Ihre ewiglich verdrängte
Weiblichkeit bricht in ihre vermännlichte Anima und versucht
im erfolglosen Verzweifelungsakt, eine logische Verknüpfung
aufzubauen, die ihrem angepaßten EROS endlich einen Sinn
verleiht. Doch auf männlicher Seite wird dieser Verzweifelungsakt
so beurteilt ^Mysterium Coniunctionis^, Bd. 14/1, S. 198: "Da
ist es häufig mit dem Charme und dem versöhnlichen Halbdunkel
vorbei; statt dessen wird ein Standpunkt bezogen und mit Rechthaberei
verteidigt, wobei jeder Hieb das eigene Fleisch trifft, und all
das mit brutaler Kurzsichtigkeit aufs Spiel gesetzt wird, was
der Weiblichkeit teuerstes Ziel wäre. Und aus unerfindlichen
Gründen - wohl ganz einfach, weil es jetzt Zeit dazu ist
- ändert sich das Bild wieder: der Neumond ist wieder einmal
überstanden." Und
der Mann atmet erleichtert auf, kehrt zu seinem Anima-Ideal zurück
und zur Tagesbeziehung und denkt nicht im entferntesten an das
sich im Stillen ansammelnde glühende Magma, das unausweichlich
dem vollendete Tatsachen schaffenden Vulkanausbruch entgegenstrebt.
Er ist überzeugt, dies ist alles nur weiblicher Gefühlskram
und weibliche Hilflosigkeit, weil ihr der LOGOS und die RATIO
halt fehlen. Das Männerbild ist wieder vollständig und
dem weiblichen Ausbruch wird verziehen wie der Unartigkeit eines
ungehorsamen Kindes, das nicht einsehen kann, weil es noch so
unverständig ist. - Das ist die männliche Einstellung
zum Weibe, die Jung
hier mit seinen Worten kundtut. Aber noch schöner hört
es sich bei ihm (aus gleicher Quelle) folgendermaßen an,
wobei ich sein beschriebenes weibliches Bild im "dunklen
Sol" - bezeichnenderweise von ihm mit einer "chronischen
Sonnenfinsternis" bei der Frau verglichen, also Dämmerzustand
- als ein männliches erkenne und als die Projektion des durchschnittlich
männlichen Seelenbildes auf die Frau und das ureigenste Kernproblem
des Mannes, dessen er sich durch Projektion und Scheinwelten aufbauende
Introjektion entledigte: "So
himmlisch friedlich und so zauberisch versöhnend der Mondschein
leuchtet, so unerleuchtend und reizlos ist der dunkle Sol. Er
verspricht ausführlich, ein Licht zu sein, weil er keines
ist, und eine große Wahrheit, weil er stets daneben trifft,
und eine bedeutende Autorität, die immer Unrecht hat oder
nur so viel Recht, wie jener blinde Kater, der am Tage halluzinierte
Fledermäuse zu fangen suchte, unversehens einmal eine wirkliche
fing und daraufhin völlig unbelehrbar wurde. Ich will nicht
ungerecht sein - so etwa ist der weibliche Sol, wenn er allzu
deutlich wird." Der Gegensatztausch
von Sol und Luna (man sollte vielleicht schon besser sagen Lunos)
hatte zur Folge, daß viele blinde Kater unversehens einmal
Fledermäuse fingen, worunter einige stattliche Größe
hatten und einige so ungenießbar waren, daß ihre Verdorbenheit
auch andere in die Verderbnis riß.
Der Mond ist der Begleiter der Erde, im uralten Glauben
als Förderer des Pflanzenwachstums und mit dem ihm mythologisch
zugesprochenen <Lebenstau> und <Lebenssaft>, als
Herbeibringer von Ebbe und Flut, ein Beeinflusser von erdhaften
Prozessen, nicht aber diese Prozesse selbst. Die Frau kann als
zentrales Prinzip von Sexualität und Geburt niemals ein Begleiter
des Mannes sein und ein dem Männlichen Prinzip Untergeordnetes.
Die Vermischung von Erd- und Mondhaftigkeit des Weiblichen in
ausschließlicher Betonung der Mondhaftigkeit in den patristisch
alchemistischen Phantasien, analysiert durch JUNG
im ^Mysterium Coniunctionis^ bzw. von
der Mythologie überhaupt ausgehend bis in postmoderne Vorstellungen
hinein, läuft am Ende darauf hinaus, daß sich die Erde
um den Mond dreht. Dies zeugt von der unbewußten Tendenz,
die Frau von der Erde wegzuziehen, ihre Nichtigkeit festzuschreiben
und ihren Einfluß zu dezentralisieren, dem die <männliche
Sonne> gleichsam als Übermacht und mit dem Mond im Eigentlichen
gar nichts zu schaffen habend entgegentritt. Dementsprechend gibt
es Überlieferungen, in denen der Mond männliche Symbolik
darstellt, Befruchter des Weiblichen/Herr der Frauen, Sohn ist.
Das hatte aber vielleicht gerade die Bedeutung einer geeigneten
Projektionsmöglichkeit für die <weiblich-minderwertige
Denkfunktion> - der Mond als minderwertiges Licht in zyklischen
Abständen. Es wäre zugleich ein gewisser Widerspruch
bezüglich weiblicher Ganzheitsbestrebungen, jene in weiblicher
Sonnensymbolik in einfacher Umkehr des Geschlechterprinzips einseitig,
grell, verblendet und anmaßend, außerhalb jedes erklärten
Zusammenhanges widergespiegelt zu sehen. Dem entspricht dann schon
eher der nächtliche Lichterhimmel als universales Prinzip.
Der 28-tägige dem Mondzyklus angeglichene Menstruationszyklus
ist erstrangig ein körperlich Vorgegebenes, kein zeitliches
Muß, keine unabdingbare unveränderliche, unbeeinflußbare
Voraussetzung für eine Schwangerschaft, kein Mondhaftigkeitsbeweis für
weibliches Denken, welches sich über alles Gegebene hinwegzusetzen
vermag, dieses immer wieder aus seinen Schranken treibend.
Entsprechend groß sind im Mysterium Coniunctionis
die Verwirrungen bei ambivalenten Gegensatzbeschreibungen und
die Widersprüchlichkeiten in den vorzunehmenden Gegensatzvereinigungen.
Trotz aller filius-Ideen wird den weiblichen Allegorien - Enthalter
des natürlichen Lichts und der die Erlösung bringenden
Weisheit gleich wie der ungenießbaren Bitterkeit - die herausragende
Bedeutung zugemessen. Während dem Weiblichen eine große
Bandbreite an Symbolik von der Dämonie, Jungfräulichkeit,
Farbigkeit bis zur Bitterkeit und Weisheit zuerkannt wird und
enge Beziehungen bestehen zwischen seinen verschiedenartigen Objekten
wie Stein, Salz, Meer, Wasser, Anima, Vogel, verharrt die männliche
Symbolik konsequent und sich aus dem niedergehaltenen Unten zum
Zwecke der Gegensatzvereinigung für vollkommene Unsterblichkeit,
Geistigkeit und Göttlichkeit unbeirrt meditativ bedienend
in der lichten, glanzvollen Höhe der Sonne, des Goldes, roten
Schwefels und eines feurig unverderblichen inkorruptiblen Geistes.
Parallelen zur modernen Spiritualität und zum modernen Meditationsboom
für höchste Kreativität und Lebensvollkommenheit
sind unverkennbar. Der moderne Alchemist ändert nicht grundsätzlich
etwas in seiner Sicht auf die Frau. Er vollzieht die Selbstvervollkommnung
in Akzeptanz des bestehenden Ungleichgewichts. Das ist erkennbar
an der durchgängig beobachtbaren Akzeptanz bestehender Sozialstrukturen
und ihrer Variierung in abgeschlossenen, sektenartigen Organisationsformen.
Einzelne im Mysterium Coniunctionis zusammengetragene
Aussagen können mit dem Sturz der Weiblichkeit direkt in
Verbindung gesetzt werden, so: die Erschlagung von Sol durch zehn
Männer; das Grab der Schlange; die Anheftung der Schlange
an die Eiche; die Bannung des gefährlichen Dämons in
die Eiche; der Vogel mit den gestutzten Flügeln; die Zerstückelung
und Selbstaufzehrung des (Erd)drachen; der männliche Drachen,
der die Frau im Grabe in tödlicher Umarmung umschlingt; das
Weib, das die Kröte säugend stirbt, damit diese wachse,
indem diese das Weib entleert, "wie wenn der Mond sich in
die Sonne ergösse"; das gesegnete (Tauf)Wasser, das
die Toten lebendig macht, die Lebendigen tötet, die Finsternis
erleuchtet, das Helle verdunkelt; die Hölle als dem Machtbereich
des Teufels nach seinem Sturz; die Frau - das unreine menstruierende
gefährliche Wesen. Auf der anderen Seite erscheinen in den
Vereinigungsmysterien mehrfach die Tötung und Verwundung
der männlichen Symbolik durch die weibliche und die Vernichtung
des Mondes wie des Todes, der dem Mond nah verwandt ist: "Es
wird in seinen Tagen die Gerechtigkeit aufgehen und die Fülle
des Friedens, bis schließlich der Mond vernichtet wird."
Wie ging es innerpsychisch zu in einer kulturschaffenden
Stammesgemeinschaft mit sich herausbildendem Jägertum?
Im männlichen Bewußtsein entstand bei
aller Beobachtung der Lebensrealitäten die erste (ungewußte)
Frage: was ist wichtiger, die Verteidigung nach außen, Jagd
oder die innere Einheit der Gemeinschaft. Innen - außen,
dieses unbewußte Gefühl einer geheimen Unterlegenheit,
ein Nach-außen-gestoßen-Sein, ein tiefes Urgefühl
einer Zweitrangigkeit. Auf diese Zweitrangigkeit stoßen
viele Möchte-gern-Väter in moderner Zeit in der Ehe/Partnerschaft
bei Ankunft eines Babys, wenn sie nicht in der Lage sind, sich
als Selbst einzuklinken, sei es, weil ihnen Verantwortung für
fremdes Leben widerstrebt, sei es, weil die Frau plötzlich
eine abweisende Unnatürlichkeit und latente Depression entwickelt:
<Wozu bin ich eigentlich da? Nur zum Kinder machen/zur materiellen
Befriedigung einer reizverlustig gewordenen Ehefrau ? Meine Lust/Liebe
wird mißbraucht. Sie ist es. Sie hat Schuld an meinem Leid.
Sie will nur das eine, und ich bin auch so in diese rauhe Wirklichkeit
gestoßen worden zum Wollen-Müssen und als Ernährer.>
Wenn Paare sich nach Ankunft eines Babys auseinander leben, hat
dies Basis in einer davor bereits vorhanden gegenseitigen latenten
Unbezogenheit, Verständnis- und Einfühlungslosigkeit.
Unter Sippenmännern:
«Was denkt sich diese Weiberwelt eigentlich,
denkt, sie sei was besonderes, weil sie Kinder in die Welt setzen
kann, läßt einem keine Freiheit zur Entscheidung, bereitet
Trankgemische, daß man halluzinierend wird, hetzt auf zur
Jagd zum Sattmachen ihrer Bälger, sie treiben unsere Früchte
ab aus ihren Leibern, sie verlieren Blut und sind schmutzig. Jeden
Tag erfinden sie was Neues. Unsere Ruhe ist dahin. Wir müssen
uns befreien, Männer. Wir müssen den Weibern Angst machen.
Wir müssen sie in unsere Macht bringen, sonst werden sie
uns noch eines Tages vergiften mit ihren Gemischen. Sie sind gefährlich,
man durchschaut sie nicht. Wir werden ihnen zeigen, wo es lang
geht. Sie sind schwach. Sie können sich nicht wehren, also
sind wir es, die sie beschützen und also zwingen, uns zu
dienen. Wir werden sie zum Tragen und Schleppen zwingen, zum Bauen
der Unterkünfte, zu allen Arbeiten, die sie schwächen
und ermüden. Sie werden keine Chance gegen uns haben, wenn
wir zusammenhalten und uns verschwören. Die gefährlichsten
Weiber müssen getötet werden, die alten auch, sie wissen
zu viel.
Ich bin euer Häuptling und führe euch zum
Licht, daß ihr frei werdet und euch verbindet mit der Geistkraft
der Sonne, damit sie euern Geist erweckt und ihr ihn nutzet für
ein heroisches Werk, welches ist, die weiblichen Ungeheuer zurück
in die Erde zu stampfen, daß sie endlich zu dem zurückkommen,
wofür sie geschaffen, uns die Herrschaft des Geistes einzupflegen,
daß er sich erheben kann und walten über die Natur
und alles, zum Wohle von allem, denn wir sind die Auserwählten
der göttlichen Geistkraft, die uns erschaffen ließ,
damit wir ihr dienen und nur ihr allein.»
Unerheblich ist, ob es ähnlich plastisch gedacht
wurde. Kultisch geheimnisvoll und unter Ausschluß von Frauen,
sogar unter Androhung der Todesstrafe, organisierten sich Gruppenzusammenkünfte
von Männern innerhalb des Stammeslebens allemal. Fakt ist,
daß Männer sich gezielt zu Initiationen, Ritualen,
Versammlungen trafen zum Zweck der Trennung von den Frauen und
daß eine mindestens unterschwellige Aggressionshaltung dabei
im Spiel war. Hinzu kommt, daß bei den Zusammenkünften
jeder Mann zusätzlich seine internen Gedankenspiele laufen
ließ, die angefüllt sein konnten mit Aggressorphantasien,
teils unter dem Einfluß von Drogen. Frauenrituale waren
weit aus unspektakulärer und wurden dann noch nicht einmal
immer getrennt von den Männern durchgeführt. Öffentliche
Deflorationen und Geburten symbolisierten das Verbindende, anstatt
das Abtrennende.
Wieviel Gleichnis steckt in solchen protestantischen
Kirchenliedversen:
«Komm, o komm, du Geist des Lebens,
Wahrer Gott von Ewigkeit!
Deine Kraft sei nicht vergebens,
Sie erfüll uns jederzeit:
So wird Geist und Licht und Schein
In dem dunkeln Herzen sein.
O du Geist der Kraft und Stärke,
Du gewisser, neuer Geist,
Förd're in uns deine Werke, ...»
Fakt ist auch, daß es Frauentötungen zum
Zwecke der Verdunklung und Sicherung der Rangordnung tatsächlich
gab.
Frauen, die unter rigoroser Männerherrschaft
schwerste und stumpfsinnige Arbeiten verichteten, zudem abhängig
waren von rohen Natureinflüssen, Nahrungsknappheit etc. waren
im Vergleich zu den relativ freigestellten Männern weder
zu körperlicher noch intellektueller Entfaltung fähig.
Ihr Körper verfiel unter der täglichen Mehrarbeitslast
unabhängig von ihrer geringeren Haut- und Muskelspannkraft
überproportional schneller als der der Männer - ein
Zustand, den man noch im heutigen modernen Wohlstandsstaat beobachten
kann, wenn man gleichaltrige Ehepaare betrachtet, so daß
es auch deshalb nicht wundert, warum Männer sich stets zu
wesentlich jüngeren Frauen hingezogen fühlen. Endlose
Näh-, Flecht-, Spinn-, Web-, Töpferarbeiten, Nahrungsbearbeitung,
Ackerbau, Wassertragen, sprich viele gebückte, Lasten tragende
und eintönige Tätigkeiten, mit dem Kind auf dem Rücken
dazu, waren eben nicht muskelfördernd und so sportlich und
körperlich abwechslungsreich wie Jagd, Fischfang und Viehtreiben,
wobei das Melken wiederum mehr zur Frauenarbeit gehörte.
So projizierten Frauen frühzeitig eine Dienerrolle auf ihren
eigenen Körper, unfähig dem ein Recht auf Entfaltung
zuzugestehen. Hinzu kamen Haß und Verachtung der Männer
für die Knechtrolle der Frau und ihren Gehorsamszwang. Ein
Uroboros des Hasses. Wurde die Frau einstmals gehaßt ob
ihrer längst vergessenen, unterdrückten Wandlungs- und
Erneuerungskraft, wurde sie es weiter, wenn sie spätestens
mit den einsetzenden Geburten zu Fall gebracht dem Clan zur Erhaltung
diente als minderwertiges Arbeitstier - all dies noch in weibischer
Feindschaft untereinander, denn die, die unten sind, können
nur noch sich selbst gegenseitig beißen. Frauen untereinander
gingen nie zaghaft miteinander um. Sie kämpften um ein kleines
Stück nach oben, das dem Unten doch stets verhaftet blieb.
Befreite Stammesmänner dagegen peitschten ihre
Aktivität und Kampfeslust in kultischen Tänzen auf,
während derer Frauen ebenso untergeordnete Rollen spielten.
Die gefundene Männlichkeit schwankte hin und
her zwischen Überlegenheitsgefühl und sinnender Objektbeziehung.
Waffen- und Geräteherstellung eröffneten technisches
Denken, wunderbar eingepaßt in ein positives Lebensgefühl
der Allmacht.
Das <Stammesgehirn> registrierte frühzeitig:
Macht=Aktivität=Mann - Hütte=Passivität=Frau.
Seine Ruhe schien das Männliche wiedergefunden
zu haben mit der Identifizierung mit der Macht nach dem Prinzip:
wer oben ist, kann nicht getreten werden.
Kleine Mädchen und alte Frauen, die noch nicht
oder nicht mehr als Lasten- und Arbeitstier oder Sexualobjekt
benutzt werden konnten, wurden in manchen Stämmen getötet,
gefressen oder zurückgelassen, weil sie als nutzlose Nahrungsverbraucher
galten, obgleich gerade männlicher Hauptlebensinhalt Nahrungsverzehr
und Sexualverkehr waren, lange bevor das Männliche durch
frei verfügbare Energie und verpflichtungslos in die Lage
kam, einen wesentlichen kulturellen Beitrag zum Überleben
zu leisten. Durch diesen Mädchenmord kam es teilweise zum
extremen Frauenmangel, der zur allgemeinen Erhöhung des sexuellen
Aggressionsniveaus führte und den Frauenraub zwischen Horden/Gens
begünstigte. Die Frau mußte auf dieser Grundlage die
Qualität eines Beutetieres erlangen, das nach Belieben eines
körperlich Stärkeren gezwungen und fremdbestimmt werden
konnte. Ob hordenfremd erbeutet oder hordeneigen spielte für
ihre Rangordnung nur eine untergeordnete Rolle. Jede erbeutete
Frau setzte auch die hordeneigenen in ein tieferes Ansehen. So
waren Frauen in den Teufelskreis versetzt, ihren Wert zu beweisen
mit höchster körperlicher Arbeitsleistung zum Lebenserhalt
in Konkurrenz untereinander, im Grunde um ihr nacktes Überleben
zu sichern. Zudem waren sie nie verpflichtungslos und gebunden
bezüglich der Absicherung des Überlebens ihrer leiblichen
Nachkommenschaft, so daß ihr Denken keine Zeit fand, über
die Grundbedürfnisse hinauszusteigen.
Männliches Pflichtbewußtsein konnte nie
ausgestaltet werden und wurde gehemmt durch einen Überlebenskampf
der Frauen gegen die Widrigkeiten der Natur und gegen den Mann,
der ihr Todfeind war und in dieser Rolle ihr Beschützer,
später auch illusionäres Liebesobjekt. Männer fühlten
den Zusammenhang intuitiv. Männern, die weibliches Leben
töteten im Wissen um ihre eigene Herkunft aus ihm, allein
aus der unumgänglichen Beobachtung heraus bis hin zur öffentlichen
Geburt, konnte der Fakt einer Unrechtmäßigkeit nicht
völlig unbewußt geblieben sein. Das Unrechtmäßigkeitsbewußtsein
wurde zum Selbsterhalt umgesetzt in ein Selbstbild, das Bestätigung
im Nachhinein für Gewalt, Druck und Mord gegen ihre Ernährerin
lieferte und ihr zum Niederen bestimmtes Dasein besiegelte. Männlicher
Selbsterhalt im Kampf gegen männliches Unrechtmäßigkeitsbewußtsein
wurde zum Hauptmoment männlicher Gedankenprozesse, zunächst
im Widerspruch zu seinem öffentlichen Verhältnis zur
Frau, das zum unmittelbaren Selbsterhalt wiederum Regeln/Tabus
zu berücksichtigen hatte, später im Widerspruch im Grunde
zu jedem seiner gewählten Wirkungskreise, indem diese Ambivalenzen
innerhalb der Arterhaltungsmechanismen erzeugten, die im steten
Konflikt zum männlichen Selbstbild standen (und stehen).
Der Mann wurde sich auf diesem Weg selbst zum Mittelpunkt, ganz
nach Freudschem
Bild. Er baute Scheinwelten einer abstrahierten
Wirklichkeit, die er zuvor unter Regie nahm und ihrer natürlichen
Entwicklung beraubte. Frauen paßten sich an ihre Unterdrückung
an und wurden Überlebenskünstler, verachtet, erniedrigt,
ausgebeutet und fehleingeschätzt. Ihre angebliche Schwäche,
Natur- und Ortsgebundenheit widerlegten sie im täglichen
Existenzkampf, in Kilometermärschen mit Sack, Pack und Kind
auf dem Rücken hinter dem davor leer mit einem Speer in der
Hand laufenden Mann, in unspektakulären Minutengeburten zwischen
der Verrichtung ihrer häuslichen Arbeiten, mit der permanenten
Aufrechterhaltung der Stammeswirtschaft mitten unter ruhenden,
spielenden, Taback rauchenden Männern. Ihre sexuelle Verfügbarkeitspflicht
suchten sie ästhetisch anzuheben auf ein höheres Niveau
durch die Schaffung persönlicher Beziehungen zum Mann. Sie
bewiesen ohne Aufsehen und Muskelprotzerei, daß sie im eigentlichen
nicht nur das psychisch (denkend) stärkere Geschlecht sind,
sondern im Verhältnis zu ihrer Muskelmasse in direkter Kausalität
zur psychischen Stärke auch das körperlich stärkere.
Sie bewiesen aber auch, daß diese Stärke
eine perverse Stärke war, die dazu führte, daß
der Mensch jeweils gegen den anderen in seiner nächsten Umgebung
kämpft, d. h. sie besiegelten durch ihr Beispiel das gesellschaftsgefährdende
Unterdrückertum.
Die Frau - das Fundament, gehorsame Lastentier und
die staatstragende Dienerin einer selbstherrlichen Männerwelt,
die Stütze männlicher Lebenspläne, männlicher
Despotie, begünstigt durch weiblichen Denk- und Selbstverlust,
Naivität, weiblichen Überlebenskampf und heute unter
dem Deckmantel einer scheinbaren Gleichberechtigung. Das Leben
im Dienste der Todesmacht, abgesichert durch unregulierbare Bevölkerungsexplosion
gleich einer Zwangsvermehrung in Kompensation zur wachsenden Gefahr
einer totalen Vernichtung.
Amazonenvölker beschrieben glückliche Ausnahmen.
Ob sie so glücklich waren, sei bezweifelt, falls sie sich
wirklich die Brüste verunstalteten. Sie waren eventuell emanzipatorische
Frühbewegungen und auch weit entfernt von einem überzeugenden
Vollgeschlechterbewußtsein. Die Verantwortung für den
Nachwuchs darf SIE nicht so einfach beiseite schieben in eine
bloße Verkehrung der Wirklichkeit. Gegen den Mann wird SIE
immer kämpfen müssen, wie das im übrigen auch weibliche Tiere tun. Das ist ihr Schicksal, aber sie
wird es tun müssen auf einer höheren Ebene der Synthese
aller Fähigkeiten zu einer Art Allmacht im Sinne eines vollständigen
Überblicks über die individual- und gesellschaftsrelevanten Prozesse
mit Einzug von weiblicher Kraft in sämtliche Lebenssphären
und dem weiblichen Überwiegen in den obersten Strukturen
kollektiver Lenkung. Das ist ihre Chance.
Das menschliche Leben ist der Frauen Werk, das
sie haben geschehen lassen durch den Mann, auf daß er ihnen
zeige, was er vom Leben hält. Die Frauen haben ihre Seele
vergessen. Sie müssen sie erinnern und bemächtigen und
weiblich werden, auf daß ihr Leben nicht im Chaos endet.
Rückbeziehend auf den Beginn dieses Kapitels und zu "narzistischem, reizlosem Urzustand" in "Urverbindung" mit dem "Urmütterlichen" und unter steter Zugrundelegung von Suche nach sexueller Befriedigung: Das Einrollen und Zusammenziehen des Körpers in Ruhephasen in Nachahmung vorgeburtlicher Weise ist auch ein Sammeln von Energie, innerliches Wohlbehagen, Wärme-, Hitze-, ja Energiebewußtsein, Selbstbewußtsein, Selbsterkennen, Ziel- und Sinnsuche, ein Vor-dem-Ausbruch, Vor-dem-Strecken, VORaktivität, BEGINN, wogegen jede Aktivität unausweichlich verliert, was aber nicht bedeutet, Aktivität habe stets zum Ziel Passivität im Sinne eines "narzistischen reizlosen Urzustandes", zu dem alles Lebendige nach alter Auffassung mit Vehemenz zustrebe. Sie wird nur periodisch eingetauscht/gewandelt um ihrer selbst willen und ist im Tod nichts mehr von ihr selbst.
Die Deutungen mancher alter Psychoanalytiker, die fast überall, in jeder Ausdrucksweise des Individuums einen eingeengten autoerotisch-narzistischen Sexualbefriedigungsdrang erkannten, die die traditionell-kulturell gemachte, maskulin-kontrollierte Vater-Mutter-Kind-Familie hinunterstilisierten in eine bordellartige Gemeinschaft, in der jeder mit jedem in Konkurrenz und Kastrationsangst bzw. im identifizierenden Streben nach phallischer Übermacht oder im Wunsche nach Inzest um seine körperliche Befriedigung und Lusterfüllung kämpft, die von kindlichem "Urhaß", "phallischen Müttern", "intestinalen Zwangsregressionen", "Objektverschlingungen" und ewigen "Schuldgefühlen" darum und deshalb aufgestellten Gewissens-Über-Ichs phantasierten, hinter allem Verständlichen und Unverständlichen Masturbation, Orgasmus oder deren Abwehr witterten, kaum ein anderes Ziel ausmachten, als entweder der Vater sein zu wollen, ihn zu kastrieren oder sich von ihm koitieren oder masochistisch kastrieren zu lassen, zeigen an, daß männliche Psychologie verfangen ist in einem sie ganz und gar beherrschenden LebensZWANG in einer Vaterverherrlichung.
Und dieser LebensZWANG wird real und sehr wirksam übertragen auf jede Verbindung, die das Leben mit sich bringt, er spiegelt sich in männlicher Philosophie und erscheint in weiblicher Reaktivität in teilweise tatsächlich masochistischen Selbstverstümmelungen und Zwangserscheinungen im Urwissen um weibliche Urschuld, die auch im männlichen Individuum steckt. Ein männlicher Satz aus einem Film: "Wie könnte ein Mann andere kontrollieren, wenn er sich nicht selbst in der Kontrolle hätte." Antwort: Er muß andere beständig kontrollieren - beurteilen / verurteilen / einordnen / zurechtweisen / geistig penetrieren -, eben weil er sich nicht selbst tiefgehend in der Kontrolle hat. Seine bis zu philosophischen Großleistungen gelangten Selbstreflexionen, die er an sich intellektuell, stolz und selbstbewußt? wahrnimmt, sind getragen von selbstferner Feindschaft sich selbst und dem inneren (sexuellen) Zwang und Minderwert gegenüber, gegen die sich sein Geistverstand vehement und Bumerangs erzeugend wehrt. Der "urmütterliche Urzustand" ist nur ein Resultat der Verirrungen dieses Geistverstandes, wie auch GOTT als der Schöpfer dieses GEISTES
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